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Covergirl

Okay. Ich hätte genauso aussehen können wie auf dem Buchcover. Aber ich wollte nicht. Labrador Miss Lomax der Autorin Michaela Seul mit dem Buch Luna Seelengefährtin, flipper-privat.de

Ich habe einen Arbeitsvertrag als Muse, nicht als Model. Da führt für mich kein Weg hin. Ich will dreimal täglich einen vollen Napf, nicht bloß ein paar Karotten knabbern. Ich will fetzen, nicht flanieren und für Frisuren interessiere ich mich nur, wenn sich jemand Honig in die Haare geschmiert hat. Oder wenn ich eine Leiche mit aufgeplatztem Schädel finden würde. Kann ja noch kommen. Der, für den ich kreativ zuständig bin, ihr Buchhund Flipper, hat auch irgendwann im Wald eine Leiche gefunden. Hast du einen Hund, musst du mit einer Leiche rechnen, schreibt sie. Bist du ein Hund … ich bin ja mal gespannt, was wir noch alles erleben werden.

Die Mentalistin

Schwarzer Labradorwelpe namens Miss Lomax, flipper-privat.de

Obwohl die sich meine Chefin nennt glaubt, ich könnte nicht kausal denken, bekomme ich den Napf erst nach einer Wartezeit. Sie befürchtet, ich würde sonst begreifen, dass mein Futter von ihrem Erscheinen abhängt und sie dann nicht mehr schlafen lassen. Ach, es wäre so einfach. Wir Tiere müssten nicht in Menschensprache reden. Wir sprechen doch so deutlich. Die Menschen müssten zuhören können. Nicht mit ihren außen angebrachten, minderwertigen Ohren, sondern mit ihrem inneren Ohr. Dann würden sie nicht immer fragen: Was ist mit dir, was hast du, willst du fressen, willst du spielen, bist du mein kleines Putzimuckelchen. Fürchterlich diese Fragen den ganzen Tag. Selbst wenn ich könnte, müsste ich die sich meine Chefin nennt nichts fragen. Das spüre ich doch, wie sie sich fühlt, wie die Stimmung ist und was sie braucht. Manchmal bedrückt es mich, dass sie keine Fährten lesen können, unsere zweibeinigen Begleiter. Wie finden sie sich bloß in der Welt zurecht? Zum Glück können wir ihnen zeigen, wo es lang geht!

Stoff sammeln

Hunde spielen miteinander, Miss Lomax lernt Knurren, flipper-privat.de

Hatte einen ersten Workshop im Knurren und Klappe aufreißen bei Alma. Ist gut gelaufen. Wir könnten dann auch mal im Zirkus auftreten, meinte meine Chefin. Ja, wenn sie weiterhin so wenig arbeitet, nur immer mir zusieht, werde ich das wohl bald in Erwägung ziehen müssen. Noch ist mein Napf nicht gefährdet, doch allein vom mich Anschauen schreibt sich noch kein Buch. Was Argumente betrifft, ist sie allerdings nicht auf die Klappe gefallen, keine Ahnung, welche Kurse sie da belegte. Sie sagte neulich: Als die Haushälterin von Marcel Proust ihn ermahnte, nicht immer so viel auszugehen, und sich endlich einmal einer ernsthaften Arbeit zu widmen, habe er erwidert, das alles sei Stoffsammlung. Heute wissen wir, sage sie, weil sie das weiß, ich nicht, dass er nicht gelogen hat. Womöglich stoffsammelt sie an mir auch? Das wäre mir unangenehm, schließlich bin ich es doch, die an ihr Stoff schnüffelt. 

Genitalien shoppen

Auch ich shoppe sehr gern. Zum Beispiel Ochsenziemer. Das sind gedrehte und lang gezogene Bullenpenisse. Oder getrocknetes Rindfleisch. Bin aber auch offen für alles aus der Kühltruhe und jede Art von Leckerlis und Kauknochen. Will damit sagen: Esse praktisch alles. Kenne auch meine Shops. Leider kann ich dort nicht so oft hin, obwohl ich die goldene Karte habe. Meine Chauffeuse hält dort nur selten. Aber wenn ich mich mal richtig doof verkleiden lasse, fällt danach schon was ab.

Hund mit Halskette verkleidet, Miss Lomax mit Bauchtanzgürtel, flipper-privat.de

Die Lehre vom Leeren

Mein Napf zum Beispiel ist noch lang nicht leer, wenn die Zweibeiner meinen, er sei leer. Da blühen noch so manche Geschmacksblumen in der offenporigen Oberfläche des Edelstahls. Ich bin gründlich und hinterlasse kein Spuren. Trotzdem kommt der Napf gelegentlich in die Geschirrspülmaschine. Widerlich. Das sollte man mal mit dem Decanter eines Weinkenners machen.

Labrador Luna beim Fressen, ein Hund und seine Näpfe, flipper-privat.de

Aber natürlich kann man Menschen nicht mit Hunden vergleichen, sagen die Menschen. Wenn ich, nachdem mein Napf leer ist, noch zwei, drei Mal hinlaufe und überprüfe, ob sich wirklich kein Rest in den Poren festgekrallt hat, nennt man mich neurotisch. Zweibeiner können Dutzende von Malen kontrollieren, ob der Herd auch wirklich ausgeschaltet, ob die Wohnungstür auch wirklich abgesperrt ist. Sie sind dann gewissenhaft. Wir Hunde wissen natürlich, dass sie das nicht sind, sondern neurotisch. Aber wir binden ihnen das nicht auf die Nase, sondern stören ihren zwanghaft Fixierung und lenken ihre Aufmerksamkeit weg vom Objekt hin zum Subjekt, zu uns. Zerfetzen einen Pantoffel oder wollen gestreichelt werden, bellen oder lecken den Edelstahlboden unseres Napfes weich, damit sie vergessen, dass sie vergessen haben könnten.