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Wildwechsel

Mit Susa Bobke habe ich schon mehrere Bücher geschrieben, darunter auch der Bestseller „Männer sind anders. Autos auch.“ Mit diesem Buch zeigt sie sich von einer ganz anderen Seite, und es ist mir eine Ehre, diese Seiten mit Buchstaben begleitet zu haben.

 

 

Schockernte

„Da liegt eins! Da liegt eins!“ Die Stimme des kleinen Jakob durchschnitt den Sommernachmittag und den schweren Heugeruch, der über dem Tal hing. Die Bauern mähten wie die Nähmaschinen. Nach vielen Gewittern war für die nächsten Tage ein stabiles Hoch vorhergesagt. Nur sehr wenige Landwirte laufen vor dem Mähen durch die Wiesen, um nach Kitzen zu suchen. Man schätzt, dass pro Jahr in Deutschland eine halbe Million Wildtiere „vermäht“ werden. Ich war sehr froh, dass Jakobs Vater mir in meiner Eigenschaft als Jägerin in diesem Revier rechtzeitig vor dem Mähen Bescheid gegeben hatte. Trotz seiner vielen Arbeit auf dem Hof half er beim Suchen. Und nun hatte sein fünfjähriger Sohn ein Kitz gefunden, aber wo? Das Gras stand mir bis zum Bauchnabel, und es dauerte eine Weile, bis ich die Kinderhand über den Grasspitzen winken sah. Ich bahnte mir einen Weg durch die blühenden Gräser zu Jakob. Er strahlte mich an und zeigte auf eine kleine Fellkugel.

„Super hast du das gemacht“, lobte ich ihn.

Das Kitz schaute mich an. Keine Angst im Blick, aber auch keine Freude, seinen Rettern zu begegnen. Unter ein Büschel Gräser geschmiegt lag es da, so eins mit seiner Umgebung, dass man es leicht übersehen konnte, auch wenn man nah daran vorbeiging. Es war vielleicht eine Woche alt und wunderschön. Ein so süßes Kitzgesicht mit schwarzen Rehaugen und sehr langen Wimpern, mit riesengroßen Hasenohren und vielen weißen Punkten auf dem hellbraunen Fell. Ich bewegte mich langsam, um es nicht zu erschrecken. Ich sprach nicht, aber ich dachte zu dem Kitz hin: Ich trage dich jetzt raus aus dem Gefahrengebiet. Ich passe gut auf, dass ich dein Fell nicht berühre. Nichts wird dir geschehen.

„Nicht anlangen! Sonst nimmt’s die Mutter nicht mehr“, flüsterte Jakob aufgeregt.

„Ich trage es nur an den Rand der Wiese. Ganz vorsichtig.

Und ich passe gut auf, damit möglichst kein Menschengeruch haften bleibt.“
„Ich hab’s nicht angelangt!“

„Ich weiß, Jakob. Du kennst dich ja aus.“
Ich rupfte großzügig Gras, das ich wie Handschuhe benutzte, und hob das Kitz hoch. Es wog fast nichts. Federkitz, dachte ich, ging behutsam zum Wiesenrand und legte es dort ab.

„Papa, Papa!“ Jakob lief seinem Vater entgegen. Der rief, dass er nun mit dem Mähen beginnen wolle. Er merkte wohl, dass ich gern weitergesucht hätte, denn er beruhigte mich aus der Entfernung, näherte sich dem Kitz nicht: „Ich habe die Geiß auf dieser Wiese immer nur in diesem Bereich gesehen.“

Ich nickte. Es war nicht auszuschließen, dass hier noch weitere Kitze lagen. Aber ein Kitz im hohen Gras zu finden kann Stunden dauern, wenn man es überhaupt entdeckt. Darauf kann im Zeitplan eines Bauern oft keine Rücksicht genommen werden. Es gibt Sachzwänge. Überhaupt ist das ganze Bauernleben ein einziger Sachzwang geworden.

Während Jakobs Vater den Traktor startete, suchte ich weiter. Meist hat eine Geiß zwei Kitze. Jakobs Vater schaltete den Kreiselmäher ein, es wurde laut. Ich beobachtete das Kitz aus der Ferne. Es lief nicht weg. In dieser Entwicklungsstufe hat das kleine Reh noch keinen Fluchtreflex, es bleibt, wo seine Mutter es ablegt, bis sie ruft. Seine wichtigste Eigenschaft ist es, unsichtbar zu sein, unriechbar, nicht aufzufallen. Für Füchse sind Kitze ein Sonntagsbraten. Und Füchse haben auch Junge, die hungrig sind. Wenn die Rehmutter das Kitz mit ihrem Kontaktlaut ruft, steht es auf und läuft zu ihr. Es wird gesäugt und geputzt und an eine andere Stelle geführt, an der es bleibt bis zum nächsten Ruf. Aber würde es den Platz akzeptieren, den ich ihm nun zugewiesen hatte? Ich war ja keine Rehmutter. Und es war kein geschützter Ort. Doch das Kitz blieb zusammengerollt liegen, über eine Stunde lang, im Lärm des Mähwerks, messerscharfe Klingen, die sich rasant drehten. Dann war die Wiese gemäht, der Traktor fuhr weg, es wurde leiser, und die Vögel wurden lauter und die Grillen und das Sirren, Surren der Insekten – Symphonie des Sommers. Und auch ich verließ nun die Wiese, immer den Waldrand im Blick. Irgendwo da stehst du, Mutter. Aufgeregt und unruhig, verstört und vielleicht sogar verzweifelt, und wartest. Ich bin gleich weg. Dann ist die Luft rein. Hol dein Kitz. Bring es in Sicherheit!

Ich ging eine Viertelstunde zu Fuß nach Hause. Heute und morgen hatte ich frei. Ich arbeite im Schichtdienst als Gelber Engel. Mein Revier ist das Allgäu. Es war mir leichtgefallen, vor einigen Jahren der Großstadt München den Rücken zu kehren, denn ich bin ein Landei, geboren in den flachen Weiten Schleswig-Holsteins, wo es keine Alpen, sondern Deiche gibt, und der Himmel reicht bis zum Horizont. Zum Jura- und Germanistikstudium war ich nach München gezogen, und hier erfüllte sich mein großer Wunsch, als ich nach einigen Semestern eine Lehrstelle zur KFZ-Mechanikerin fand. In Schleswig-Holstein scheiterte das seinerzeit angeblich noch an den fehlenden sanitären Einrichtungen der Betriebe, man war einfach nicht auf schraubende Mädchen eingestellt. Heute hat sich das zum Glück geändert. Ich schraube noch immer gern, auch in meiner Freizeit. Eigentlich hatte ich am Spätnachmittag die Vergaser an meinem Motorrad, einer alten BMW R90, synchronisieren wollen. Eine schöne Tätigkeit, ich hatte mich darauf gefreut. Doch nun merkte ich, dass ich ständig an das Kitz dachte. Zu gern hätte ich nachgesehen. Aber nein, das würde ich nicht tun. Es bestünde die Gefahr, die Mutter zu vertreiben, die ohnehin nervös wäre, weil sich ihr bisher vertrauter und sicherer Lebensraum schlagartig in ein bedrohliches Feld ohne Sichtdeckung verwandelt hatte. Wo gestern noch nahrhaftes Gras und Kräuter widerristhoch wuchsen, klaffte nun eine kahle Fläche, gefährlich weit einsehbar, und das schmackhafte Grün vertrocknete. In bester Absicht hatte sie ihr Kitz in Sicherheit gebettet und fand es nun auf dem Präsentierteller für ihre Feinde wie Adler, Krähen, Füchse, Hunde und Menschen.

Diesen Kahlschlag nennt man Schockernte. Der Begriff leuchtete mir sofort ein, als ich vor einigen Jahren die Jägerprüfung, das so genannte grüne Abitur, ablegte. Ich selbst bin manchmal auch geschockt, wenn ich morgens zur Schicht losfahre und abends heimkehre und sich mein Lebensraum gravierend verändert hat. Natürlich finde ich mich zurecht, auch ohne Navi, so bin ich groß geworden. Die Jägerin aber denkt an die Vertriebenen, die ein Stück Heimat verloren haben.

Ich ging nicht zur Wiese, obwohl meine Gedanken dort ästen. Ich wünschte mir so sehr, dass die Mutter zurückkehrte und alles in seine natürliche Ordnung kam. Genauso hätte der Fuchs das Kitz holen können. Auch das wäre eine natürliche Ordnung gewesen.

Am nächsten Morgen, es war ein strahlend schöner Sommertag, begrüßte mich Moll, mein Berner Sennenhund, unternehmungslustig. Es war gegen zehn Uhr, als wir zur Kitzwiese spazierten. Die Sonne brannte schon heiß auf meiner Haut. Gegen Mittag würde der Bauer das Heu wenden, damit es schneller trocknete. Am Wiesenrand, im Schatten eines Baumes zeigte ich Moll, dass er warten sollte. Er machte Platz, allein seine sanften braunen Augen folgten mir. Das gemähte Gras lag in Büscheln, oben von der Morgensonne angetrocknet und grüngräulich, unten durch die Feuchtigkeit der Nacht und den Morgentau nass und saftgrün. Und so gemischt duftete es auch, nach Heu und frischem Gras. Auf einmal sah ich es. Da bewegte sich etwas! Das Kitz stand auf seinen dünnen, staksigen Beinen. Ohne Deckung, ohne Schutz marschierte es durch das gefallene Gras, unweit der Stelle, an der ich es abgelegt hatte. Das war ein völlig falsches Bild. Man sieht keine so kleinen Kitze allein herumlaufen. Sie liegen. Erst später, wenn Brunft ist, lassen die Rehe ihre Kitze allein – Schlüsselkinder im Wald. Aber zu dieser Zeit hätte die Mutter ihr Kleines längst holen müssen. Sie hätte es im Schutz der Nacht aus dem Gefahrenbereich führen müssen an einen anderen Ort, in eine Dickung, unter Bäume, ins Gebüsch, ins Schilf des nahe gelegenen Weihers, wenn es keine Wiesen mehr gibt, weil alle gleichzeitig gemäht werden.

Wo war die Mutter? Das Kitz stakste hin und her. Es wirkte empört. Wo war die Tankstelle? Hin und wieder senkte es den Kopf und nippte am Gras. Es war noch zu jung, um richtig Gras zu fressen, es war existenziell auf seine Mutter angewiesen. Ich beobachtete es eine Weile. Das war so falsch! Jemand musste dieses Kitz aus der kahlen Wiese pflücken, es stand darauf wie eine übriggebliebene Blume, die bald verdorrt wäre, wenn niemand ihr Wasser spendete. Lange und ziemlich verzweifelt schaute ich durch mein Fernglas. Es zeigte mir das ersehnte Bild nicht. Kein Reh stand am Waldrand. Ohne Mutter konnte das Kitz nicht überleben. Es war ein Wunder, dass es überhaupt noch da war. Der Fuchs hätte es holen müssen in der Nacht, leichte Beute. Ich konnte mir das Überleben des Kitzes nur so erklären, dass der Fuchs auf der frisch gemähten Wiese viele Mäuse erwischt und bei diesem Nahrungsüberangebot auf das Kitz verzichtet hatte. Aber bestimmt wusste er, dass es da war. Später würde er sich erinnern, das Kitz stand sozusagen in seiner Vorratskammer.

Ich betrachtete das kleine Geschöpf, und es kam mir vor, als könnte ich seine Verzweiflung, seinen Durst spüren. Die ganze Nacht allein auf der Wiese. Und so viel Hunger, Lebenshunger.

Da musste ich nicht mehr lang überlegen. Eigentlich hatte ich mich schon entschieden. Seit vielen Jahren schon, doch damals am Straßenrand hatten mir die Möglichkeiten gefehlt. Langsam ging ich näher. Das Kitz sprang weg, duckte sich und tat sich nieder. Ergeben. Nur noch wenige Schritte, und ich war neben ihm. Kniete mich hin. Wie zart es war. Seine weißen Punkte auf dem flaumigen Fell. Und die Augen. Sehr schwarz, und riesengroße Ohren. Ich verzichtete auf erklärende Worte und hob es hoch. Mit meinen Händen, mit meinem Menschengeruch, ohne neutralisierendes Gras. Ich hatte das Berührungstabu gebrochen, weil ich selbst so berührt war. Das Kitz wehrte sich nicht. Federleicht lag es in meinen Armen. Behutsam trug ich es über die Wiese. Ich war glücklich und fassungslos und voller Fragen. Aber es fühlte sich richtig an.

 

Mehr zu Susa Bobke

 

The Track – Auf Umwegen zur Extremläuferin

Inhaltlich war das mein härtestes Buch: 877 Kilometer in  sechzehn Tagen. Zum Glück bin ich nur Buchstaben gelaufen.  Brigid Wefelnberg schafft das mit Schritten: unglaublich, die Leistungen dieser Power-Frau!

 

Vorlauf

Noch nie war ich so aufgeregt vor einem Lauf wie vor diesem – achthundertsiebzig Kilometer über die Pyrenäen. Und das non-stop in vierhundert Stunden, rund sechzehn Tagen. Die TransPyrenea war die größte Herausforderung meiner Lauf-Bahn. Ich war bestens vorbereitet und hatte ausnahmsweise sogar gezielt trainiert. Normalerweise mache ich keine Trainingspläne. Ich laufe einfach, weil es auch so begann: Eines Tages lief ich einfach los im Schwarzwald, und dann immer länger, immer weiter, und auf einmal war ich im Extremsport gelandet. Das hatte ich mir nicht vorgenommen, es lief wie von selbst. Weil mich das Laufen glücklich macht; die Grenzen, die ich überwinde, die Natur, die ich durchquere. Es ist ein bisschen so, als würde ich die Landschaften durch die extremen Bedingungen noch intensiver erfahren. Bei der TransPyrenea würde ich allerdings häufig auf mein GPS blicken müssen. Es gab keine klare Route, den Weg zum Ziel musste ich mir selbst erarbeiten. Allein das Kartenmaterial nahm ausgelegt zwanzig Meter ein. Ich konnte mich aber nicht darauf verlassen, ideale Wetterbedingungen zum Navigieren per Karte vorzufinden. Was machst du bei einem Sturm, bei peitschendem Regen in der Dunkelheit? Da hilft dir das beste Kartenmaterial keinen Schritt weiter. Also GPS, wie es mittlerweile bei manchen Läufen Pflicht ist. Gerade in der Wüste, umgeben von Dünen, die alle gleich aussehen, hängt das Leben nicht am seidenen Faden, sondern am Leitstrahl. Da überprüft man seine Ersatzbatterien nicht bloß dreimal, eher sechsmal. Ich bin ja noch ein bisschen old school. Nach Karte zu laufen macht einen zusätzlichen Reiz für mich aus. Keine Markierungen, keine Streckenposten, die dir die Richtung weisen. Nur du allein und die Natur. Diese unglaubliche Stille, lediglich durchbrochen von deinem Atem und den Füßen auf der Erde. Erde! Die kann so unterschiedlich sein. Manchmal hart, dann moosweich, glatt, geröllig, steil, sandig, gefährlich, glitschig, felsig, und zuweilen brauchen die Füße Unterstützung von den Händen; es gibt Passagen, die sind nur auf allen Vieren zu bewältigen. Oder mit Beinen, die bis zu den Schenkeln im Matsch stecken. Vor allem in der Wüste braucht es stellenweise sogar kräftigen Armeinsatz, um die hohen Sandberge zu erklimmen, da schlage ich die Arme, als würde ich durch Wasser kraulen, in die Dünen.

Pro Jahr absolviere ich drei bis vier große Läufe und zusätzlich den 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte in Freiburg, bei dem ich im Schnitt einhundertvierzig Kilometer erreiche. Da meine Läufe so kräftezehrend sind, trainiere ich nicht täglich, außerdem bin ich „nebenbei“ noch Vollzeit berufstätig als Leiterin des deutschen Büros einer indischen Softwarefirma. Am Wochenende bin ich zuweilen acht Stunden auf meinen Läuferinnenbeinen. Dieses Training bringt mir wirklich etwas. Eine Stunde joggen am Morgen, darauf verzichte ich, ich laufe ja sozusagen in einer anderen Dimension. Das heißt nicht, dass ich werktags ruhe, ganz im Gegenteil: Alltagstraining hat einen hohen Stellenwert bei mir, jedoch nicht, um meine Fitness zu steigern, sondern um ein gewisses Grundlevel zu bewahren. So nutze ich jede Gelegenheit, um mich zu bewegen. Rolltreppen und Fahrstühle ignoriere ich aus Prinzip. Neulich erlebte ich wieder einen Klassiker: In einem Hotel, in dem ich zu einem Meeting verabredet war, fragte ich am Empfang nach der Treppe. Ein livrierter Mitarbeiter geleitete mich zu den Fahrstühlen. Als ich abermals um den Weg zur Treppe bat, schaute er mich an, als sei ich ein bisschen merkwürdig. Es waren immerhin neun Stockwerke. Und ich hatte eine große Tasche dabei, auf die der Mann dann auch deutete, kummervoll geradezu. Was für mich eine Freude ist, hätte für ihn eine Strafe bedeutet. Bei solchen Begegnungen grinse ich meistens in mich hinein. Ich finde es meinerseits ein bisschen verrückt, wenn sich Leute, die sehr wohl die Gelegenheit dazu hätten, den ganzen Tag nicht bewegen, an ihrem Arbeitsplatz nur den Lift benutzen, mit dem Auto auch Kurzstrecken fahren, aber abends in der Muckibude wird gesportelt. Das wäre für mich Zeitverschwendung; ich kann das doch alles miteinander verbinden. Gerade die Bewegung draußen macht mir unglaublich viel Spaß. Was man da alles mitkriegt! Das hat schon eine andere Erlebnisdichte als auf dem Laufband im Fitnessstudio. Ich glaube, dass viele Menschen gar nicht mehr darüber nachdenken, sie wählen automatisch den komfortabelsten Weg, als gäbe es keine Alternative. Dabei fängt das Abenteuer gerade dann an, wenn man die Komfortzone verlässt. Man muss einfach nur beginnen, womit auch immer. Dann verpasst man auch nichts, ganz im Sinne von John Lennon: „The tragedy of life is not death, but what we let die inside of us while we live.“

Karma Cooking

Leckeres Buch bei www.flipper-privat.de

Kann man Liebe schmecken? Ja! Das habe ich beim Schreiben dieses Buches von Diana Johannes gelernt. Eine auch kulinarische Bereicherung!

Die Marotte mit der Karotte

Das Bewusstsein darüber, was wir tun, und die liebevolle Ausführung verändern die Stimmung. Es ist als würde die Sonne aufgehen. Bekomme ich das überhaupt mit, wenn ich während des Gemüseschneidens überall bin, nur nicht im Gefühl der Aubergine in meiner Hand? Wenn ich womöglich ständig rede, über andere lästere oder mich über irgendetwas ärgere? Weiterlesen

Entspannt mit Hund

Auch bei meinem zweiten Buch mit Stephanie Lang von Langen habe ich wieder viel über Hunde gelernt: Sind die fünf Grundbedürfnisse des Hundes erfüllt, genießt man ein entspanntes Miteinander. Und natürlich haben unsere Vierbeiner beim Verfassen die Ohren gespitzt und so manche Korrektur hineingewedelt.

 

 

Textprobe

Bellen, beißen, bieseln – Hunde markieren nicht um den heißen Brei herum

Lucy knabberte gern. Allerdings beschränkte sich die belgische Schäferhündin nicht auf die üblichen Accessoires wie Schuhe, sie hatte ihr Repertoire auf Menschenbeine erweitert und schon mehrere Menschen gebissen. „Nicht schlimm“, sagte Frau Huber, ihre Halterin, „nur so ein bisschen gezwickt.“

Das sah das Ordnungsamt anders, nachdem der zuletzt Attackierte sich in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandeln lassen musste. Nach einer Wesensüberprüfung bekam Lucy Maulkorb und Leinenpflicht verordnet. Frau Huber fand das ungerecht, weil Lucy doch der liebste Hund auf der Welt war, und wie vorsichtig sie mit Kindern spielte, das müsse man gesehen haben. „Wissen Sie“, erklärte Frau Huber mir, „das liegt an dem ausgeprägten Schutztrieb von der Lucy. Ihre Vorfahren, die waren nämlich alle bei der Polizei.“ Weiterlesen

Jeder Mensch hat seinen Abgrund

Cover Nedopil

Tief blicken in die Abgründe der menschlichen Seele durfte ich beim Schreiben dieses Buches mit dem „bedeutendsten deutschen Gerichtsgutachter“ für forensische Psychiatrie Professor Norbert Nedopil. Ich habe viel gelernt und viele Inspirationen für meine eigene Laufbahn als Kriminelle erhalten, wenngleich ich diese nach wie vor lediglich mit Tasten statt Waffen betreibe.

 

Begegnung mit dem Bedrohlichen

Es trifft Sie wie ein Blitz: Der Mann, dem Sie in der U-Bahn gegenübersitzen, hat seine Frau vor den Augen seiner Kinder getötet. Beim Frühstück haben Sie sein Bild in der Zeitung gesehen, unter der Schlagzeile: Mörder auf freiem Fuß.

Was geht in Ihnen vor? Wie reagieren Sie?

Vielleicht tun Sie so als wäre nichts. Oder Sie wechseln den Sitzplatz, weil Sie sich bedroht fühlen. Es schießt Ihnen die Idee durch den Kopf, ob einer, der schon einmal einen Mord begangen hat, für Sie gefährlich werden könnte. Das ist nicht abwegig: Menschen, die bereits getötet haben, wiederholen eine solche Tat mehr als hundert Mal so häufig wie andere, die keinen Mord begangen haben. Weiterlesen

Essen, was gesund macht

Cover das Buch der Ghostwritern Shirley Michaela Seul

Eine bekömmliche Abwechslung auf meinem Speiseplan: Buchstabensuppe auf chinesische Art. Ich habe viel gelernt  beim Köcheln dieses Buches und auch einen Lieblingsprotagonisten: Professor Peng, so heißt er wirklich. Er hat Peter Asch in die Geheimnisse der chinesischen Küche TCM eingeweiht.

 

 

Hier eine kleine Vor-Vorspeise:

Das bewusste Essen beginnt beim Einkaufen. Mein erster Einkauf mit Professor Peng ist mir unvergessen. Es war am zweiten oder dritten Tag seines Aufenthaltes an der Eilima-Klinik am Chiemsee. Ich fuhr mit ihm nach München, wo ich drei große Asia-Shops ausfindig gemacht hatte. Professor Peng sollte alles einkaufen, was er benötigte. Ich war erleichtert, als ich einen Parkplatz vor der Tür des ersten Ladens fand, die Zeit war knapp bemessen. Ich musste schnell zurück in die Klinik, schließlich sollte ich das Mittagessen vorbereiten. Im Laden packte ich einen Einkaufswagen und raste durch die Warenreihen. Aber wo war der Professor? Ich drehte mich um. Er stand noch immer im Eingangsbereich. Ich blickte auf meine Uhr. Ich wollte ihn nicht drängen, aber die Zeit, meine Zeit raste. Schließlich blieb ich selbst stehen und beobachtete, wie der Professor in einer nervenaufreibenden Langsamkeit die Regale inspizierte. Er schaute viele Waren an, Gemüse nahm er zur Hand, roch auch mal daran oder prüfte seine Konsistenz. Doch er legte kein einziges Lebensmittel in den Wagen. Wir waren ohne Dolmetscher unterwegs. Ich konnte ihn nicht fragen und vermutete, dass ihm die Auswahl in diesem Geschäft nicht gefalle. Also würden wir in das nächste fahren und wenn er dort auch nicht fündig wurde, in das dritte – wenn die Zeit noch reichte. Was fraglich war bei dem Tempo, das der Professor an den Tag legte. Weiterlesen

Yoga unlimited: Feiere dein Leben immer und überall

Cover der Ghostwritern Shirley Michaela Seul

Wenn ich das Buch nur gelesen und nicht auch noch geschrieben hätte, würde ich denken: Das also ist AUCH Yoga? Ja, Yoga ist alles – OIS IS YOGA – und die Zusammenarbeit mit Percy Shakti Johannsen war eine große Freude für mich. Manchmal direkt feierlich bei all der Feierstimmung!

 

 

 

Die Brezenmeditation

Angenommen du betrittst eine Bäckerei in der Absicht, eine Breze zu kaufen. Dein Blick schweift über die Brotkörbe, du erkennst das Objekt deiner Begierde. Hinter der Theke steht noch so ein Ding auf zwei Beinen, und wenn du höflich bist, grüßt du, wenn nicht, verlangst du gleich, weswegen du hier bist: Eine Breze. Okay, du bist freundlich: bitte.

Das Ding hinter der Theke ist kein Brezenautomat, sondern ein Mensch. Und irgendwo in diesem Menschen gibt es einen Little Guru. Du erkennst ihn vielleicht nicht. Doch dein eigener Little Guru nimmt ihn wahr, und so öffnet sich auch dein innerer Blick. Du bist wach und klar und präsent, wenn du dir über deinen Little Guru bewusst bist – der mit dem Little Guru der Verkäuferin kommuniziert. Mit der du mittlerweile ebenfalls in gutem Kontakt bist: Sobald dein Little Guru aktiv ist, bist du offen für andere Menschen. Weiterlesen

Die Mutterglück-Lüge

mutterglueckluege_buchcover_106x160px„Ich bereue es, Mutter geworden zu sein, und ich liebe mein Kind über alles.“

#regretting motherhood

Warum erwarten wir eigentlich von Frauen, dass sie ihre Bedürfnisse vollkommen zurückstellen und sich fürs Kind aufopfern – und darüber auch noch glücklich sind?

So fängt das Buch an

 „Mama, noch mal!“

„Ja“, seufze ich.

„Mama, höher!“
Ich schubse Emma auf der Schaukel an. Sie kräht vor Freude. Fünf Uhr nachmittags. Seit einer Stunde hängen wir auf diesem Münchner Spielplatz rum.

„Wir gehen jetzt dann bald nach Hause“, sage ich.

„Nein!“, ruft Emma. Emma liebt Spielplätze. Ich hasse sie. Was natürlich so nicht stimmt. Was mein Kind liebt, das mag ich mindestens. Zur Not auch den Fettrand von Fleisch. Na gut, meistens. Muss ich alles mögen, was mein Kind mag? Ich werfe einen Blick zu den Müttern im Sandkasten. Für sie scheint es nichts Schöneres zu geben, als Sandkuchen zu backen, weil alles, was dein Kind erfreut, dich zutiefst beglückt. Du strahlst rund um die Uhr. Du bist Mutter! Ergriffen beißt du in einen Sandkuchen.

Ich schubse die Schaukel noch mal an, während ich ausrechne, wie viel Zeit mir bleibt, wenn wir jetzt gleich gehen. Heute ist noch viel zu tun. Wenn alles ohne Pannen läuft, könnte ich vor Mitternacht eine ganze halbe Stunde für mich rausschlagen. Die Aussicht beflügelt mich. Wieso machen alle anderen Mütter auf dem Spielplatz den Eindruck, gern hier zu sein? Wird ihr inneres Kind erweckt oder ist ihre Liebe größer? Ich bin 42 Jahre alt und dem Sandkasten entwachsen. Ich würde lieber was lesen. Oder arbeiten. Oder wenigstens den Einkauf schon erledigt haben, der ja mit einem Kind ewig dauert. Alles dauert ewig. Ich bin undankbar. Ich habe ein gesundes, frohes Kind und freue mich, weil es so hoch schaukelt. Wir lachen, meine kleine Emma und ich. Ein schöner Moment. Wie viele schöne Momente braucht es, um den Verlust des eigenen Lebens auszugleichen? Von außen betrachtet wirke ich wie die anderen Mütter. Es kann ja keiner in meinen Kopf reinschauen, wo diese schwarzen Rabenmuttergedanken herumflattern. Vorhin zum Beispiel, als die zwei Jungs sich kreischend um die Schaufel stritten. Da fiel mir mein schwuler Kumpel Schantalle ein. Wir kennen uns von einem Job in meiner Studienzeit. Ich war von einem Spielwarenhersteller als Walking Act in Form eines Steifftier-Teddybärkostüms gebucht. Schantalle verteilte Luftballons an Kinder. Dies war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Schantalle sagte neulich: „Stell dir vor, du hättest ein Blasrohr mit Betäubungspfeilen. Und immer, wenn du eine Verschnaufpause, Mutterpause brauchst, schießt du einen Pfeil ab auf dein Kind. Die Betäubung ist natürlich total gesund. Vitamin C und B2 und Folsäure, und die Pfeilspitze ist hundert Prozent bio. Dein Kind setzt sich hin und gibt zehn Minuten Ruhe. Schöne Träume garantiert.“
Entgeistert starrte ich ihn an, dann platzte ich laut heraus. Und dann sagte ich: „Du spinnst!“ Denn so was sagt man nicht. Man denkt es nicht mal. Aber irgendwie gefiel es mir. So ein Blasrohr könnte man auch in anderen Situationen gut gebrauchen. Wir feilten an unserer Idee. Man sollte verschiedene Betäubungszeiten anbieten. Fünf Minuten, zehn, zwanzig. Schantalle meinte, wir würden damit reich werden. Ich vermutete, wir würden gesteinigt werden. Denn das Verhalten gegenüber so genannten Rabenmüttern, die sich oft keines anderes Vergehens schuldig machen, als hin und wieder den Wunsch zu äußern, behandelt zu werden wie ein erwachsener Mensch, ist mittelalterlich. Leider gibt es kaum jemanden, mit dem ich mich so ketzerisch amüsieren kann, da dies gegen den Mutterkodex verstößt, und der kennt keine Gnade. Du darfst dich zwar beschweren, aber immer nur in witzigem Ton, und auch die kleinste Kritik an deinem Scheißleben als Mutter musst du sofort tausendfach ausbügeln, pampern, wegwischen, glätten, für null und nichtig erklären, war ja nur ein Witzchen. Ich behielt meine Kommentare meistens für mich. Ich wollte ja nicht als gefühllos, hartherzig und so weiter gelten, bloß weil ich die Wahrheit sage. Ich würde das zwar aushalten, aber womöglich müsste Emma etwas ausbaden. Ich möchte alles dafür tun, dass mein Kind glücklich wird. Aber inzwischen ist es mir bewusst, dass ich dabei womöglich über die Klinge springe. Die Mutter wird geboren, der Mensch, der sie vorher war, bleibt auf der Strecke.

Nichts als die Wahrheit?

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Die Arbeit an diesem Buch war die reinste Sahnetorte für mich als Krimiautorin, ich habe so viel erfahren über Lüge, Wahrheit, Scheinerinnerungen … und das von dem führenden Professor für forensische Psychologie in Deutschland. Auch unsere Zusammenarbeit war ein Sahnestück. Was dabei herausgekommen ist, ist allerdings: harter Stoff. Man könnte fast sagen: Eine Kalorienbombe mit Betonung auf dem Schluss

 

 

 

Hier ein Häppchen aus der Einleitung des Buches von Max Steller:

Das kurze Glück von Ben

Das Lächeln in seinem Gesicht ging gar nicht mehr weg. Ben konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt so gut drauf gewesen war. Mann, er war verliebt! Zuerst hatte er nicht in diesen blöden Club gewollt. Aber dann war er mitgegangen, und da stand sie an der Säule. Ein Blitz hatte ihn getroffen. Er hatte sie auf einen Drink eingeladen und dann auf noch einen. Sie hieß Annkathrin, und Ben war seit gestern Nacht kein Single mehr. Sein Opa hatte ihm mal gesagt, dass er es sofort gewusst habe, dass er seine Oma heiraten würde. „Wenn es so weit ist, Junge“, hatte der Opa gesagt, „das spürst du.“ Und genau das hatte Ben in dieser Nacht gespürt. Sie war es. Und wie lieb sie ihn danach zugedeckt hatte. Und diese süße Zahnlücke zwischen den Vorderzähnen. Weiterlesen

Der Wahrheitsjäger

Ein Titel der Ghostwriterin Shirley Michaela Seul ist Tamer Bakiners Buch "Der Wahrheitsjäger"

 

Tamer Bakiner, ein international tätiger Detektiv für Wirtschaftskriminalität, ermittelt in den Kreisen der Superreichen. Dabei stellt er auch spektakuläre Methoden vor, die meinen Blick auf die Welt verändert haben …

 

Hier geht’s zur Pirsch mit dem Wahrheitsjäger

Und hier eine kleine Fährte unter der Überschrift: Bitte verwanzen Sie meine Frau

Seitensprünge sind ein beliebtes Feld bei Detektiven. Als überwiegend Wirtschaftsdetektiv übernehme ich aktuell nur noch selten solche Aufträge, und dennoch öfter, als mir lieb ist. Es kommt immer wieder vor, dass mich Unternehmenschefs, Vorstände und Mitarbeiter in leitender Funktion, für die ich im Bereich der Wirtschaftskriminalität ermittelt habe, beiseite nehmen oder aus „privaten Gründen“ anrufen und dann mit ihrem Problem herausrücken: Ich glaube, meine Frau betrügt mich. Weiterlesen