Schlagwort-Archive: Buchstaben

Weinlyrik

 

Ich sage die Wahrheit, auch wenn ich keinen Wein trinke, in dem die Wahrheit liegen soll. Die Wahrheit ist, dass ich mir seit Jahrzehnten vornehme, endlich Wein zu trinken. Aber es klappt nicht. Es tut mir leid, Wein schmeckt mir nicht. Aber! Buchstaben schmecken mir. Und nun bin ich also wieder einmal im HubertusMoutainRefugio Allgäu in Balderschwang und schwinge mit. Denn der Wein dort wird so verkostet, wie ich ihn schätze: Auch in Buchstaben, Silben. Ja, die Weine sind Gedichte. Eine Kostprobe: Ein delikates Spiel von intensiven, vollen Fruchtaromen und mutig herben Akzenten.

Dieses Buch-Bukett will ich sofort lesen!!! Und erst recht die saftigen Melodien, süße Kirschen und zarte Erdbeeren hören. Die meine Nase und Gaumen umschmeicheln! Wie großartig hier die Sinne miteinander verwoben werden, ja mehr noch: tanzen!

Vor vielen Jahren saß ich einmal in der U-Bahn und schaute einem Mann zu, der eine Partitur las. Seine Augen funkelten, er lächelte, nickte, wippte, blätterte um, ein Fuß wippte im Takt. Er hörte, was er las. Am Frühstückstisch im Hubertus sitzend schmecke ich, was ich lese: Am Gaumen ein schlanker, delikater Körper mit erfrischender Säurestruktur, angenehme Würze im Abgang, eine dezente Salznote begleitet. Ich fühle mich fast schon ein  wenig beschwipst, nein, beschwingt! Ich schließe die Augen für einen Moment, spüre nach, schmecke nach und lese dann die zweite Strophe: Am Gaumen kraftvolle Frucht, Würze, Rauchspeck, Nougat und Tabak. Elegant, cremig mit sehr langem Abgang.

Ich atmete tief ein und aus. Heute Abend, das nehm ich mir vor, betrete ich diese wundervolle Welt der Weine. Ich weiß auch schon, durch welche Pforte: Spannender Säure-Bogen mit langem und elegantem Finale. Wenn das kein Klappentext für einen Bestseller ist!

 

 

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Der Satz im Silbensee

Gleich hol ich mir den Schatz im Silbersee!

Hoppla, Frauchen ruft. Es ist gar kein Schatz im Silbersee. Ich soll mal scharf nachdenken, ob ich  Winnetous Pferd bin oder ihr Hund.

Hat sie einen Rappel, denke ich. Dann fällt es mir ein. Wir tauchen nach Buchstaben. Was ja genau genommen nichts anderes sind als Schätze.

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Buchstaben bis zum Mond

Manchmal lese ich in der Zeitung irgendetwas würde bis zum Mond reichen. Plastikmüll zum Beispiel, wobei der sicher in vielen Runden um den Mond geschlungen werden könnte und dann trüge der Mond nicht nur einen Gürtel, er wäre futsch. Was wiederum für die Lyriker besonders schade wäre. Muse Mond ade, scheiden tut weh. Weiterlesen

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Gabriele und ich

 Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ich glaube, sie hieß Gabriele. Viele, die ich kannte,  hatten eine Gabi an ihrer Seite, beziehungsweise unter ihren Fingerkuppen. Das konnten schon Knuten sein, denn man musste regelrecht in die Tasten dreschen. Gabi nahm es mir nicht übel, das war sie gewohnt. Hell erklang das Glöckchen des Zeilenschalthebels. Kling, kling, kling. Weiterlesen

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Buchstabenjagd

Miss Lomax und Michaela Seul freuen sich, weil sie wieder ein Buch fertig geschrieben haben

Wochenlang sind wir durchs Alphabet gestreift, haben nachts mit morschen Diphthongen Lagerfeuer entzündet und Konsonanten gegrillt. Hin und wieder haben wir ein i-Pünktchen erlegt. Wir haben manche Schlacht mit dem Fehlerteufel gewonnen, und jetzt sind wir angekommen. Wir haben wieder ein Buch fertiggeschrieben. Jetzt schweigen wir eine Runde, schauen in den Himmel und … zeichnet sich da nicht das nächste Abenteuer ab? Siehst du, was ich sehe …

 

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Bücher blühen

Luna Seelengefährtin ist ein Buch der Autorin Michaela Seul, mehr Infos unter www.flipper-privat.de

Wenn es draußen so aussieht wie als du gegangen bist. Wohin? Ich weiß es nicht. Aber was bedeutet schon: weg? Wenn man die Buchstaben genau beschnüffelt, erkennt man den Weg.

Worüber geschrieben wird, vergeht nicht. Woran man denkt, ist da. Woran man glaubt, ist wahr.

Man kann es auch anfassen. Jetzt als Taschenbuch bei Heyne.

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Freitag der Dreizehnte

Hauspost CoverbildIch mag Frei Tage. Und die 13 auch. An einem Freitag, den 13.ten wurde ich 13 Jahre alt! Das verbindet. Aber man kann auch sehr viele Buchstaben bemühen für diesen schönen Tag, nämlich: Paraskavedekatriaphobie. So lautet der Fachausdruck für die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13.ten. Wenn ich nun an dieser Angst litte. Wenn ich wegen dieser Angst unvorsichtig gewesen wäre und ohne nach rechts und links zu schauen über eine Straße gelaufen wäre. Wenn ich meinen 13. Geburtstag also nicht erlebt hätte, woran ein Freitag, der 13., Schuld gewesen wäre. Dann wüsste das auch keiner.

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