Archiv der Kategorie: Hauspost

Die Schriftstellerin Shirley Michaela Seul erzählt von der schönsten Sache der Welt.

Freitag der Dreizehnte

Hauspost CoverbildIch mag Frei Tage. Und die 13 auch. An einem Freitag, den 13.ten wurde ich 13 Jahre alt! Das verbindet. Aber man kann auch sehr viele Buchstaben bemühen für diesen schönen Tag, nämlich: Paraskavedekatriaphobie. So lautet der Fachausdruck für die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13.ten. Wenn ich nun an dieser Angst litte. Wenn ich wegen dieser Angst unvorsichtig gewesen wäre und ohne nach rechts und links zu schauen über eine Straße gelaufen wäre. Wenn ich meinen 13. Geburtstag also nicht erlebt hätte, woran ein Freitag, der 13., Schuld gewesen wäre. Dann wüsste das auch keiner.

Der Deutschlehrer-Komplex

Hauspost CoverbildSchriftsteller! Sind das Menschen? Nein, sie stehen weit über uns. Diesen Eindruck zumindest vermittelten mir sämtliche Deutschlehrer und –lehrerinnen meiner schulischen Laufbahn. Ein Eindruck, der nicht folgenlos für mich bleiben sollte. Bei jedem Text, den wir im Deutschunterricht durch unsere unbeholfenen Interpretationen zerstückelten, behaupteten die LehrerInnen, die AutorInnen hätten sich dabei dies und jenes gedacht.

Deshalb konnte ich auch keine Schriftstellerin sein. Ich war ein minder qualifizierter Depp, der sich selbst laut Gedichte vorlas und dabei Melodien hörte, die seine DeutschlehrerInnen mit ihren Kreideattentaten auf Schiefertafeln übertönten. Aber was ist lauter, weil leiser, als ein tief eingeatmetes Gedicht?

Schnitzen, Schreiben, Schustern

Hauspost Coverbild

Angeblich kann man sich Männer ja schnitzen und die Welt zurechtbiegen. Schuster bleib bei deinen Leisten, Schriftstellerin bleib bei deinen Buchstaben. Ich schreib mir einen Traummann in ein wunderbares Leben hinein und manchmal bringe ich auch jemanden um.

Lieblingsbücher

Hauspost CoverbildEin gutes Buch muss mich fesseln, sagen viele Leute. Genau das geschieht, ohne Strick und Kabelbinder. Es gelingt dem Autor, der Autorin, einen Leser Kraft seines handwerklichen Könnens und mit Liebe zu bannen. Der Lesesog zieht den Leser ins Buch, wo er Gefangener des Autors ist. Sind AutorInnen also Sadisten? Weiterlesen

Außer mir!

Hauspost CoverbildDas gibt es Wörter, die schießen aus dem Abseits ins Satzgeschehen. Außen ist so eins. Es ist über die Außen aufs Wortfeld gelangt. Andere sind außer sich. Die spielen nicht mit? Oder überall, nur nicht in sich? Weil die Inneren ja von der Außenwelt sprechen, die aber nicht Welt heißt, sondern Kosmos, und da ist das Außen innen, nämlich: Du bist zu viel im Außen. Was würde mein Hund an dieser Stelle empfehlen? Aus!

Gewalt gegen Bücher

Hauspost CoverbildNein, ich kann Bücher nicht in den Altpapiercontainer werfen. Wenn ich ein Buch weggebe, und es kann mir noch so wenig gefallen, muss ich es in gute Hände geben. Das ist fast schon zwanghaft. Ich spende es, bei schlechten Büchern mit schlechtem Gewissen, aber sagte nicht schon Michael Krüger, die meisten Leser würden leider schlechte Bücher lieben? Oder ich setze sie an Orten aus, wo Hoffnung besteht, dass sie adoptiert werden. Weiterlesen

Mei Hirn is mei Kastle

Hauspost CoverbildIch brauch kein Schloss. Castles kann man ja nicht mitnehmen. Und wenn man mal müde ist. Später. Lebens-müde. Vielleicht nicht mehr gehen kann, bloß noch humpeln. Als Schriftstellerin bin ich Sammlerin, in meinem Museum hängen viele Gedanken an den Windungen. Eines Tages wird die Erinnerungssammlerin Zeit für ihre Schätze haben.

Boote, Butler

Hauspost CoverbildMein erster Computer war ein Taschenrechner, fiel mir neulich ein. Ich traute ihm nicht. Ließ ihn schuften, rechnete nach. Überführte ihn einiger Fehler, die sich dann aber doch als meine eigenen herausstellten. Als ich das begriff, glaubte ich ihm. Das war ein Fehler. Man soll ihnen vertrauen. Die verkehrte Welt steckt schon im Wort. Wir be-dienen den Computer. Alles klar?