Archiv der Kategorie: Hauspost

Die Schriftstellerin Shirley Michaela Seul erzählt von der schönsten Sache der Welt.

Lyrik lindert Liebe

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Die meisten AutorInnen, die ich kenne, haben mit Gedichten begonnen. Kurzstrecke sozusagen. Mich haben Gedichte nie gereizt. Aber als ich mich mit Mitte zwanzig verliebte wie noch nie, dauerte mir Prosa zu lang. Ich entdeckte die Gedichtform für mich. Hämmerte leidenschaftlich auf die Tasten. Manchmal entstanden drei Gedichte an einem Tag. Nie so kreativ wie verliebt – wenn die ganze Welt leuchtet. Später dann Beziehungsprobleme. Auch sehr kreativ und empfehlenswert. Dann Trennung und einsam. Eine extrem fruchtbare Zeit für Lyrikerinnen. Und es geht so schnell, wenn man nur eine Dichterin, keine Denkerin ist. Eigentlich könnte Lyrik ein Produkt des Computerzeitalters sein. Weiterlesen

Gabriele und ich

 Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ich glaube, sie hieß Gabriele. Viele, die ich kannte,  hatten eine Gabi an ihrer Seite, beziehungsweise unter ihren Fingerkuppen. Das konnten schon Knuten sein, denn man musste regelrecht in die Tasten dreschen. Gabi nahm es mir nicht übel, das war sie gewohnt. Hell erklang das Glöckchen des Zeilenschalthebels. Kling, kling, kling. Weiterlesen

Aus der Schreibmaschine geplaudert

 

AUS DER SCHREIBMASCHINE GEPLAUDERT

 

Wenn ich mal viel Zeit habe. Oder einfach endlich vernünftig geworden bin. Oder Fingergymnastik machen muss. Dann. Dann packe ich sie wieder aus und genieße das Schriftstellerinnengefühl meiner ersten Buchstaben.

Freitag der Dreizehnte

Hauspost CoverbildIch mag Frei Tage. Und die 13 auch. An einem Freitag, den 13.ten wurde ich 13 Jahre alt! Das verbindet. Aber man kann auch sehr viele Buchstaben bemühen für diesen schönen Tag, nämlich: Paraskavedekatriaphobie. So lautet der Fachausdruck für die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13.ten. Wenn ich nun an dieser Angst litte. Wenn ich wegen dieser Angst unvorsichtig gewesen wäre und ohne nach rechts und links zu schauen über eine Straße gelaufen wäre. Wenn ich meinen 13. Geburtstag also nicht erlebt hätte, woran ein Freitag, der 13., Schuld gewesen wäre. Dann wüsste das auch keiner.

Der Deutschlehrer-Komplex

Hauspost CoverbildSchriftsteller! Sind das Menschen? Nein, sie stehen weit über uns. Diesen Eindruck zumindest vermittelten mir sämtliche Deutschlehrer und –lehrerinnen meiner schulischen Laufbahn. Ein Eindruck, der nicht folgenlos für mich bleiben sollte. Bei jedem Text, den wir im Deutschunterricht durch unsere unbeholfenen Interpretationen zerstückelten, behaupteten die LehrerInnen, die AutorInnen hätten sich dabei dies und jenes gedacht.

Deshalb konnte ich auch keine Schriftstellerin sein. Ich war ein minder qualifizierter Depp, der sich selbst laut Gedichte vorlas und dabei Melodien hörte, die seine DeutschlehrerInnen mit ihren Kreideattentaten auf Schiefertafeln übertönten. Aber was ist lauter, weil leiser, als ein tief eingeatmetes Gedicht?

Schnitzen, Schreiben, Schustern

Hauspost Coverbild

Angeblich kann man sich Männer ja schnitzen und die Welt zurechtbiegen. Schuster bleib bei deinen Leisten, Schriftstellerin bleib bei deinen Buchstaben. Ich schreib mir einen Traummann in ein wunderbares Leben hinein und manchmal bringe ich auch jemanden um.