Archiv des Autors: Shirley Michaela Seul

FKK

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Heute ist Fasching. Da wage ich es. Und finde es faszinierend, dass dieser in Fanzines oft veröffentlichte Text aus dem Schreibmaschinen-Zeitalter heute so  für mich nicht mehr schreibbar wäre. Ich schaue alte Derricks und Tatorte allein deshalb, weil ich mich an den grauen Wählscheibentelefonen erfreue. Es sind Zeitdokumente. Und in den 1980er-Jahren … das gab es kein Me-too und Sexismus war normal wie der Klaps auf den Po der Kellnerin. Weiterlesen

Meine fetten Jahre sind vorbei

 

Eine kalorienreiche Lebensgeschichte, die mich beim Schreiben sehr berührt hat. Und ich habe endlich mal die Oberpfalz kennengelernt durch Reinhard Stummreiter, die Kultfigur des dicken Trommlers der Altneihauser Feierwehrkapell’n.

 

Der Paukenschlag

„Eine Leberkassemmel bitte“, sagte ich zu der Metzgereiverkäuferin in Windischeschenbach, zögerte, „na, glei zwoa oder gib ma lieba drei.“

„Sempf, Ketschup?“

„Nix.“

„Glei essen oder eipacken?“

„Eipacken.“

„Dreisechzig.“

Ich legte einen Fünfeuroschein auf die Theke und nahm die drei Alupäckchen in Empfang. Das Wasser lief mir im Munde zusammen. Blöd, dass die in der Metzgerei keine Nussherndln hatten. Nussherndln mit Leberkassemmel, das mochte ich besonders gern. Und dazu einen Kaba oder eine Capri Sonne, stilecht mit Strohhalm. Weiterlesen

Anrufbeantworter

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ich erinnere mich an meinen ersten Anrufbeantworter. Damit alle wussten, dass ich einen habe, musste ich alle anrufen und sie bitten, mich anzurufen. Dann konnten sie meine tolle Ansage hören. Sie dauerte zirka zwei Minuten. Ich wechselte die Ansagen alle paar Tage, und dann mussten wieder alle bei mir anrufen.  Weiterlesen

Faszinierende Faszien

Manchmal, wenn ich mit jeder Faser meines Körpers, meines Geistes, meiner Seele weiß: Das ist ein gutes Buch. Und mich jemand fragt und ich nachdenken muss, warum ich es dafür halte. Und zuweilen zuerst gar nichts sagen kann, weil es als ganzes Gebilde erscheint und ich es nicht in Einzelteile zerlegen möchte. Da rutscht mir dann schon mal etwas heraus wie: Es schwingt zwischen den Zeilen. Danach finde ich natürlich sachliche Gründe. In einem guten Buch herrscht daran kein Mangel. Doch was ist es, was da schwingt zwischen den Zeilen? Seit Gestern weiß ich es: Weiterlesen

Mumien

Wie schon bei unserem ersten Buch „Mein Leben mit den Toten“ hatte ich auch an den Mumien viel Freude. Und ich habe abermals viel gelernt. Für eine Krimiautorin sind diese Themen sehr spannend. Und wann immer ich etwas über Leichen wissen muss, rufe ich Alfred Riepertinger an und frage zum Beispiel: „Servus, Alfred, sag mal. Wenn einer an der Decke hängt. Ist die Zunge dann blau?“  

Alfred wundert sich nach rund 30.000 Leichen über keine Frage. Und natürlich ist er noch nie eine Antwort schuldig geblieben.

Die Mutter-Mumie

Passend zu diesem Monat, der wie kein anderer im Zeichen der Vergänglichkeit steht, entdeckte man im November 2014 in einer Münchner Wohnung eine Mumie. Den Boulevardzeitungen war dies eine Schlagzeile wert. Auf der Titelseite zeigte ein dicker roter Pfeil auf das Fenster eines Wohnblocks: „Dahinter lag die Mumie“. Eine tragische Geschichte hatte sich zugetragen. Weiterlesen

Wie Brausepulver auf der Zunge

In meiner Kindheit trugen alte Frauen Lodenmäntel. Schön, dass das Alter heute bunter ist. Die Arbeit an Greta Silvers Buch hat mir gezeigt, wie es auch aussehen kann!

 

 

Ich möchte nicht mehr jung sein. Nichts zieht mich in das Hamsterrad meiner früheren Jahre. Als ich 17 war glaubte ich, mit 35 sei das spannende Leben vorbei. Als ich 35 war, kamen mir die 50jährigen uralt vor und mit 50 die 65jährigen, und so geht es dahin, was beweist: Alter ist total subjektiv – und das bedeutet, dass jeder darüber bestimmen kann, wie „alt“ oder „jung“ er sich fühlt. Alter ist Ansichtssache!  Weiterlesen

Auf das Pferd der Schriftstellerei gesetzt

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ich wollte schon Schriftstellerin werden, da konnte ich noch nicht mal schreiben. Mit Filzstiften malte ich Kringel auf Zeitungen. Und beschmierte mich damit. Ich wollte ganz schnell erwachsen werden, um schreiben zu lernen. Ich wollte dringender schreiben als lesen. Und dann war es endlich so weit und ich las lieber als zu schreiben. Bis ich zehn oder elf oder zwölf war. Weiterlesen

Auf der Walze

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Eine Reise-Schreibmaschine besaß ich nie. Es gab sie im schicken Köfferchen mit Henkel. Normale Leute führten so was nicht mit sich, nur Reise-Journalisten. Dass quasi jeder eine Reise-Schreibmaschine dabei hat, ständig, immer, das war gar nicht vorstellbar. Heute ist die Reise-Schreibmaschine nicht mehr schick, sondern smart und ohne ist der moderne Mensch nackt. Weiterlesen