Archiv der Kategorie: Hauspost

Die Schriftstellerin Shirley Michaela Seul erzählt von der schönsten Sache der Welt.

FKK

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Heute ist Fasching. Da wage ich es. Und finde es faszinierend, dass dieser in Fanzines oft veröffentlichte Text aus dem Schreibmaschinen-Zeitalter heute so  für mich nicht mehr schreibbar wäre. Ich schaue alte Derricks und Tatorte allein deshalb, weil ich mich an den grauen Wählscheibentelefonen erfreue. Es sind Zeitdokumente. Und in den 1980er-Jahren … das gab es kein Me-too und Sexismus war normal wie der Klaps auf den Po der Kellnerin. Weiterlesen

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Anrufbeantworter

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ich erinnere mich an meinen ersten Anrufbeantworter. Damit alle wussten, dass ich einen habe, musste ich alle anrufen und sie bitten, mich anzurufen. Dann konnten sie meine tolle Ansage hören. Sie dauerte zirka zwei Minuten. Ich wechselte die Ansagen alle paar Tage, und dann mussten wieder alle bei mir anrufen.  Weiterlesen

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Faszinierende Faszien

Manchmal, wenn ich mit jeder Faser meines Körpers, meines Geistes, meiner Seele weiß: Das ist ein gutes Buch. Und mich jemand fragt und ich nachdenken muss, warum ich es dafür halte. Und zuweilen zuerst gar nichts sagen kann, weil es als ganzes Gebilde erscheint und ich es nicht in Einzelteile zerlegen möchte. Da rutscht mir dann schon mal etwas heraus wie: Es schwingt zwischen den Zeilen. Danach finde ich natürlich sachliche Gründe. In einem guten Buch herrscht daran kein Mangel. Doch was ist es, was da schwingt zwischen den Zeilen? Seit Gestern weiß ich es: Weiterlesen

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Auf das Pferd der Schriftstellerei gesetzt

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ich wollte schon Schriftstellerin werden, da konnte ich noch nicht mal schreiben. Mit Filzstiften malte ich Kringel auf Zeitungen. Und beschmierte mich damit. Ich wollte ganz schnell erwachsen werden, um schreiben zu lernen. Ich wollte dringender schreiben als lesen. Und dann war es endlich so weit und ich las lieber als zu schreiben. Bis ich zehn oder elf oder zwölf war. Weiterlesen

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Auf der Walze

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Eine Reise-Schreibmaschine besaß ich nie. Es gab sie im schicken Köfferchen mit Henkel. Normale Leute führten so was nicht mit sich, nur Reise-Journalisten. Dass quasi jeder eine Reise-Schreibmaschine dabei hat, ständig, immer, das war gar nicht vorstellbar. Heute ist die Reise-Schreibmaschine nicht mehr schick, sondern smart und ohne ist der moderne Mensch nackt. Weiterlesen

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Die glückliche Familie

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Ein Frühwerk von Gabriele Triumph Adler und mir. 1980er-Jahre. Oft veröffentlicht in Fanzines. Aber unauffindbar im Netz bis jetzt! Zur Modernisierung habe ich das Wort Handy eingefügt und ß durch ss ersetzt. Schäm ich mich? Nein, ich staune! Weiterlesen

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Erde ruft Himmel

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Heute sendet die plaudernde Schreibmaschine eine Botschaft ins All zu einem lieben Freund, der von Anfang an vom Internet begeistert war, der die Vorteile erkannte und die Nachteile nicht mehr erlebte, zumindest nicht auf Erden. Vielleicht, lieber Nick, empfängst du jetzt alles und alle und wahrscheinlich ist dir dein ehemaliger Geburtstag egal. Aber ich denk heute an dich. In Haselnussbraun. Weiterlesen

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Allmorgendlich

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Hallo Frau Seul, wir hier im Lehrerkollegium sind uns gerade nicht einig, was sie mit ihrer Geschichte Allmorgendlich sagen wollen. Wir haben uns fast gestritten. Es wäre nett, wenn Sie uns kurz ihre Interpretation schicken könnten. Mit freundlichen Grüßen

Irgendwas war doch hier faul. Ein Lehrerkollegium mit solchen Schwächen in der Groß- und Kleinschreibung? Am Abend trudelte noch eine Mail ein:

Hallo Frau Seul, muss Hausaufgabe machen. Über Kurzgeschichte von dir. Was soll ich sagen? Bitte Mail bis Mittwoch in zwei Seiten. Olli.

Am nächsten Tag: Sehr geehrte Frau Seul, es wäre total nett, wenn Sie mir verraten können, was Sie sich bei Ihrer Kurzgeschichte Allmorgendlich gedacht haben.

Die Geschichte „Allmorgendlich! habe ich im Alter von neunzehn Jahren geschrieben, vielleicht ist sie deshalb der Renner in Schulbüchern, und sie wurde auch schon als Prüfungsaufgabe in Deutsch für die Mittlere Reife verwendet.

Was ich mir also dabei gedacht habe?

Nichts. Weiterlesen

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Fingerkuppen können denken

Aus der Schreibmaschine geplaudert

Meinen ersten Roman, ich begann ihn mit achtzehn, habe ich zirka zehn Mal abgetippt. Von vorne bis hinten. Ich verbrauchte flaschenweise Tipp-Ex. Wenn das Schreibmaschinenpapier so zugekleckst war, dass es löchrig wurde, fing ich mit einer neuen Abschrift an. Bei jedem Durchgang veränderte sich viel. Denn ich dachte die Geschichte wirklich neu. In jeder meiner Fingerkuppen saß damals ein kleines Gehirn. Heute habe ich nur noch Hirn im Zeigfinger. Dem Mausklicker. Weiterlesen

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