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Der Deutschlehrer-Komplex

Hauspost CoverbildSchriftsteller! Sind das Menschen? Nein, sie stehen weit über uns. Diesen Eindruck zumindest vermittelten mir sämtliche Deutschlehrer und –lehrerinnen meiner schulischen Laufbahn. Ein Eindruck, der nicht folgenlos für mich bleiben sollte. Bei jedem Text, den wir im Deutschunterricht durch unsere unbeholfenen Interpretationen zerstückelten, behaupteten die LehrerInnen, die AutorInnen hätten sich dabei dies und jenes gedacht.

Deshalb konnte ich auch keine Schriftstellerin sein. Ich war ein minder qualifizierter Depp, der sich selbst laut Gedichte vorlas und dabei Melodien hörte, die seine DeutschlehrerInnen mit ihren Kreideattentaten auf Schiefertafeln übertönten. Aber was ist lauter, weil leiser, als ein tief eingeatmetes Gedicht?

Brillenschlangen, Bücherwürmer, Stubenhocker

Hauspost CoverbildNach einer Lesung fragte mich kürzlich eine Buchhändlerin: „Sie haben wahrscheinlich Germanistik studiert?“ „Nein.“ „Welches Fach denn dann?“, fragte sie neugierig weiter. So ist es immer. Landauf landab wird geglaubt, ein Schriftsteller habe Germanistik studiert. Ein Schriftsteller trägt eine Brille, liest viel und ist am liebsten zu Hause. Okay, manchmal posiert er auch in Unterwäsche. Aber das sind Ausnahmen. Ein sportlicher Schriftsteller irritiert ebenso wie ein Ski fahrender Pfarrer. Und klar ist natürlich, dass ein Schriftsteller, der sportlich ist, schlecht schreibt. Bleib bei deinen Leisten, sprich Tasten.

Anonyme Angehörige – eine schonungslose Offenbarung

_MG_3900Hinter jeder Figur eines Schriftstellers stecken Vorbilder in der Realität. Wer AutorInnen kennt, muss jederzeit damit rechnen, beschrieben zu werden. Und das kann weh tun. Denn das Autorenauge ist oft unbarmherzig. Wie Schläfer leben viele von ihnen unerkannt in unserer Mitte … und unterwandern ihre Angehörigen, wenn ich mal den Snowden geben darf.

Als Angehörige ist man seinen AutorInnen machtlos ausgeliefert. Angehörige von AutorInnen sind wie Labormäuse und -ratten – und keine Schutzorganisation kümmert sich um uns. Sie sind einer messerscharfen, zuweilen sezierenden Beobachtungsgabe gnadenlos ausgesetzt.  Ehemänner und -frauen, Kinder, Eltern, Tanten und Onkel und Geschwister haben schier Übermenschliches auszuhalten. Dabei würde es ohne sie keine Bücher geben, jawohl! Niemand glaubt im Ernst, dass sich die verehrten KünstlerInnen all ihre Geschichten aus den Fingern saugen. Da wären sie ja ganz schnell buchstabenarm.

Die Kindheit

Ohne die bösen, bösen Eltern wäre die Literatur um ein Fünftel ärmer. Konsequent formuliert: Ohne sie gäbe es gar keine Literatur. Nur weil sie ihre  armen Kleinen so sehr gequält haben, psychisch und physisch, konnten sie sich später zu literarischen Höhenflügen aufschwingen. Niemand fragt in diesem Zusammenhang nach den Genen, obwohl doch sonst immer sofort nach ihnen gerufen wird. Es gibt keine stärkere Motivation als die Suche nach Liebe, denn sie ist gekoppelt an die Suche nach Anerkennung, und darum geht es den Autoren: Ruhm! Mami hat mich nicht gestillt, deshalb drängt es mich leidenschaftlich zur Buchhändlerinnenbrust?

Fortsetzung folgt nächste Woche: Geschwister und SchulfreundInnen als Informanten.

Zeitmanagement für Autoren

Hauspost Coverbild31 Millionen 536 Tausend Sekunden bekommen wir am 1. Januar jedes Jahres auf unser Zeitkonto überwiesen. In jeder Stunde werden uns 3600 abgebucht, egal, wie wir sie verbracht haben. Am 31. Dezember um Mitternacht ist jede einzelne davon weg. Nichts bleibt übrig …

Das könnte fast deprimierend sein, gäbe es da nicht unsere Erinnerungen, in denen wir schöne Momente aneinanderreihen können. Davon möglichst viele zu sammeln, erscheint als lohnenswertes Ziel. Für manche sind diese Momente die Zeiten mit der Familie, andere genießen sie am liebsten mit ihren Hobbys. Umso trauriger, wenn wir keine schönen Momente sammeln können, weil wir ständig damit beschäftigt sind, durch den Alltag zu hetzen, Social Media zu betreiben, unter den Teppich gekehrte Buchideen zu entstauben.

Wie also können wir es schaffen, mehr Freiraum zu erwirtschaften, ohne dabei die Pflichten zu vernachlässigen; sie vielleicht sogar noch besser zu erledigen als vorher!

Gutes Zeit-Management bedeutet, Tätigkeiten so zu organisieren, dass sie qualitativ gut bis exzellent verrichtet werden und dabei gleichzeitig alle Vorgänge so ablaufen, dass sie möglichst wenig Ressourcen benötigen. So kann man deutlich länger bei den schönen Dinge des Lebens verweilen und hat deshalb auch mehr Zeit für die Krone der Schöpfung: das kreative Schreiben. Das Erfinden. Den Dialog mit den selbst erschaffenen Figuren. Mehr Zeit für das Herzstück, für das große Glück im schriftstellerischen Dasein. Denn der Schriftstellerberuf besteht ja nicht nur aus Schreiben, sondern auch aus Verwaltungsarbeiten. Kontakte mit Verlagen, Exposés erstellen, Social Media, Telefonate führen, Ideen sortieren, Texte überarbeiten, Trends aufspüren, Recherchieren und so weiter. Und so vergehen die Stunden und die Tage und ständig klingelt das Telefon. Woher soll die Zeit zum Schreiben kommen, wenn die Verwaltung des Schreibens fast die gesamte Zeit frisst?

Mit Zeitmanagement erreichen Sie Klarheit und Muße. Nur Sie und Ihr Manuskript und der Himmel blau und alles gut. Zeitmanagement ist der rote Teppich zum Glück!

Trau keinem Schriftsteller!

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Dies ist der letzte Teil der Trilogie Schriftsteller sind Schweine. Schweine sind übrigens sehr nette und soziale Wesen, wen auch völlig verkannt, was daran liegt, dass sie sich gern im Matsch suhlen.

 

Wehe, du erzählst einem Schriftsteller was. Womöglich noch mit dem Hinweis der Vertraulichkeit, die er dir heimtückisch aus dem Herzen leiert, denn das können sie! Sich einschleichen, einen auf gut Freund machen und dann hinterrücks der Dolchstoß. Aber natürlich können sie nichts dafür. „Niemals hast du damit zu tun! Beim Schreiben habe ich doch nicht an dich gedacht!“

„So, und warum hast du dann fast wortgetreu wiederholt, was ich dir anvertraut habe? Und wieso hat deine Heldin eine Zahnlücke? So wie ich?“

„Nun, das muss mir passiert sein. Weißt du, nicht ich schreibe, sondern mein Unterbewusstsein.“

Haben Sie schon mal versucht es mit dem Unterbewusstsein aufzunehmen? Das klappt ja nicht mal mit dem eigenen, geschweige denn dem von anderen. Also vergessen Sie es.

Noch schlimmer ergeht es Partnern von Schriftstellerinnen, vor allem, wenn sie Krimis schreiben. Die werden schon mal mit einem Serienmörder verwechselt, nachts im Bad, und mit einem Schreikrampf begrüßt. Lieber Bad als Küche, wo die Messe liegen. Wird Zeit für eine Selbsthilfegruppe der Anonymen Angehörigen! Dort könnten sie Geschädigten sich wehren lernen: selber schreiben!

 

Wie Schriftsteller ihren Freundeskreis ausbeuten

_MG_3900Geschwister von Schriftstellern haben es oft nicht leicht. Nur zu gern werden sie als Stofflieferanten missbraucht und ihre Gefühle ausgeschlachtet: Der erste Kuss, die zweite Sechs in Physik. Erzähl doch mal! Bloß nicht!  Wie Marionetten wurden viele Geschwister von ihren späteren Schriftsteller-Schwestern und Brüder hinaus in die Welt geschickt, um etwas zu erleben, was die kleinen Ohren dann begierig aufsaugten und Jahre später als Quell eigener Inspiration heraustrompeteten.  Geschwister von AutorInnen sind es, die den psychologischen und psychoanalytischen Berufsstand vor dem Ruin bewahren.

Die Lehrerin ist schuld

Es wundert mich, warum niemand erkennt, weshalb immer weniger Menschen den Lehrberuf ergreifen möchten. Als LehrerIn stehst du  im Rampenlicht des schriftstellerischen Gespötts! Du kannst nur Fehler machen, denn wer vermag das Genie bereits in der ersten Klasse zu erkennen? Ist es nicht doch eher Vernachlässigung durch die Eltern?  Sie fangen frühzeitig an mit ihren Notizen, die Genies von morgen. Schreiben können sie noch nicht, tippen schon.  Wie viele Lehrer wurden berufsunfähig, weil sie an den Pranger gestellt wurden. Und im Übrigen: Nicht nur sie: Auch Schulkameraden/Sportskameradinnen. Weh dem, der mit angehenden AutorInnen über den Bock springt. Da wird die Matte aber schnell weggezogen und die Landung ist hart.

Dass Bekannte und Freunde ausgeschlachtet werden wie Schweine, dazu mehr in der Fortsetzung nächste Woche, wenn auch die Partner und Partnerinnen von Schriftstellerin zu den Schlachtbänken in den Wortschmieden geführt werden.

Schriftsteller sind auch Menschen

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… das dachte ich gestern bei einem Rudeltreffen. Das Kulturreferat der Stadt München lud „seine“ Schriftsteller zum geselligen Beisammensein ins Café Stadtmuseum ein. Das können wir nämlich auch im echten Leben, nicht bloß mit unseren erfundenen Figuren in Poetenräumen.

Irgendwann schaute ich mich um und dachte: Man merkt es uns nicht an. Wir könnten Wer-weiß-was sein. Sind wir ja auch, je nachdem, in welche Rolle wir schlüpfen. Schriftsteller sind eine Art  Under-Cover-Agenten. Ob diese Veranstaltung wirklich stattgefunden hat? Vielleicht ist sie auch nur eine Erfindung? Macht ja nichts. In der Erinnerung ist alles gleich. Erlebtes und Erfundenes.