Verbiss

 

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Den dritten Fall lösen Flipper, Franza und Kriminalhauptkommissar Felix Tixel ohne Hund auf dem Cover. Aber der verbeißt sich natürlich in die eine oder andere Fährte. 

 

Nachfolgend der Anfang von Verbiss

Clemens von Lübtow erwachte aus einem erotischen Traum, eine Minute, bevor der Wecker geklingelt hätte. Träge schaltete er ihn aus. Langsam ließ er seine Blicke durch das große Schlafzimmer wandern, zur Glasfront und dem Balkon seines Landhauses am Ammersee. Entgegen seiner Gewohnheit sprang er nicht sofort aus dem Bett, sondern schaute eine Weile nach draußen. Zwei Enten flogen mit langgestreckten Hälsen über das Wasser. Bald waren sie fällig. Clemens von Lübtow freute sich auf die Wasservogeljagd. Man brauchte eine ruhige Hand und ein schnelles Auge. Beides besaß er. Natürlich wäre eine Adresse am Starnberger See attraktiver. Mit eigenem Seezugang, Bootsanleger. Aber das konnte ja noch werden. Kurz sortierte er sich. Montag, Herbstferien. Noch zwei Stunden, bis die Fitnesstrainerin für die FT kam. Celina, verbesserte er sich. Seine fette Tochter. Die sich schnellstmöglich wieder in Celina verwandeln sollte mit Hilfe dieser Trainerin. Bei ihrem Aussehen könnte seine Tochter sogar ein Supermodel werden, wenn sie noch ein wenig wachsen würde. Es war schwierig, eine Prognose zu stellen, die Fettschicht in ihrem Gesicht war zu feist, doch die Lippen voll, die Nase niedlich, das Gesicht herzförmig. Bis zu ihrem fünfzehnten Geburtstag im Frühling wollte er Ergebnisse sehen. Teuer genug war die Fitnesstrainerin. Sollte Celina nach seiner Exfrau kommen, würde sie abgespeckt atemberaubend aussehen. Nun, er selbst hatte auch nicht die schlechtesten Gene vererbt.

Mit einem Satz sprang Clemens von Lübtow aus dem Bett. Wenn er sich beeilte, konnte er vor dem Termin mit seinen Ministerialräten die große Runde joggen. Und wenn es richtig gut lief, würde er schon in wenigen Wochen mit seiner Tochter joggen. Die Fitnesstrainerin hatte bei ihrem Vorstellungsgespräch gebeten, er solle Geduld haben, doch wenn seine Tochter erst mal spürte, wie befriedigend und erfüllend Sport war, würde sie bestimmt dranbleiben. Und bald konnte er sie mitnehmen zu den Banketts in der Residenz: Darf ich vorstellen, meine Tochter. Hinter seinem Rücken würden sie tuscheln. Sie würden feststellen, dass seine Gene hervorragend waren. Der Minister hatte nicht so viel Glück. Alles an der Ministertochter war verwachsen. Die Nase, das Kinn, die Gliedmaßen viel zu lang und die Haltung schlecht. Seitdem die Frau des Ministers so schwer erkrankt war, begleitete ihn die Tochter gelegentlich. Immerhin war sie normalgewichtig, aber lange nicht so hübsch wie Celina in abgespeckter Form. Doch darüber wollte er sich jetzt keine Gedanken machen. Er hatte sich genug über das Thema geärgert, und je mehr er gesagt hatte, desto fetter war sie geworden; jede Bemerkung hatte sich im Handumdrehen in ein neues Pfund verwandelt. Seit er sie darauf hingewiesen hatte, dass sich ihre Augen in Schweinsäuglein verwandelten, hatte sie nicht mehr mit ihm geredet.

Das war vielleicht übertrieben, aber er wollte ihr doch nur helfen. Gut, dass er das Problem FT nun delegiert hatte an die Fitness-Trainerin – noch eine FT! Clemens von Lübtow beschloss, dies als Omen zu nehmen. Er liebte seine Tochter Celina, keine Frage, alle Väter liebten ihre Kinder, aber sie machte es ihm verdammt schwer. Noch, dachte er. Bestimmt würde sie sich mit der Fitnesstrainerin verstehen. Denn die brachte einen Hund mit. Einen Hund hatte Celina sich immer gewünscht. Clemens von Lübtow konnte Hunde im Haus nicht ausstehen, nur bei der Jagd, wenn sie ihm unterwürfig wedelnd seine Beute vor die Füße legten.

Zufrieden musterte er sich im großen Badezimmerspiegel. Auch in entspanntem Zustand zeichnete sich seine Bauchmuskulatur leicht ab. Seine Schultern waren breit, die Hüften schmal. Er wirkte nicht aufgepumpt, eher feingliedrig. Er war nun mal ein Marathonmann. Mit seinen knapp fünfzig konnte er sich sehen lassen. Jedenfalls wäre er eines Tages der attraktivste Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, den das Land jemals gesehen hätte. Und dieses Ministerium würde er nur als Sprungbrett nutzen. Clemens von Lübtow wollte nach oben. Ganz nach oben und zwar um jeden Preis.

Im Hof glitt das elektrische Tor zur Seite, kurz darauf hörte er den Wagen von PT, Putzteufel, auf der Kiesauffahrt. Petra Vogt war schon wieder drei Minuten zu spät. Clemens von Lübtow nahm es zur Kenntnis. Knapp zwei Stunden später nahm er zur Kenntnis, dass die Fitnesstrainerin pünktlich war. Als sie federnd aus ihrem Kombi stieg, nickte er anerkennend. Knackige Figur. Auch der Rest war nicht übel. Eine attraktive Frau, ohne Zweifel. Die Haare , hell schimmernd im Morgenlicht, zu einem kessen Pferdeschwanz hochgebunden, rotes Stirnband. So sollte Celina aussehen, dann wäre er ganz und gar zufrieden, sie würde sogar noch besser aussehen. Ihre Entfettung würde er sich einen Bonus kosten lassen. Hundert Euro pro Kilo betrug die Körperprämie. … Fragte sich bloß, wie er FT wiegen sollte. Sie würde sich wohl kaum unter seinem Blick auf eine Waage stellen. Clemens von Lübtow schob dieses Problem erstmal zur Seite. Letztlich würde Celina ihm dankbar sein. Eines Tages würde sie merken, wie gut es ihr ging, wenn sie leichter und leichter wurde, wenn sich der Körper einer jungen Frau in dem schwabbeligen Fettgebilde abzuzeichnen begann. So wie der von der Fitnesstrainerin. Groß, energiegeladen, geschmeidig, mit Kurven an den richtigen Stellen. Den riesigen schwarzen Hund, den die Frau nun aus dem Wagen befreite, beschloss Clemens von Lübtow zu ignorieren. Er konnte Hunde im privaten Revier nicht ausstehen, aber der Hund war ihre Bedingung gewesen, dafür hatte er ihr Tageshonorar von vierhundert auf dreihundert Euro gedrückt.

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