Meine fetten Jahre sind vorbei

 

Eine kalorienreiche Lebensgeschichte, die mich beim Schreiben sehr berührt hat. Und ich habe endlich mal die Oberpfalz kennengelernt durch Reinhard Stummreiter, die Kultfigur des dicken Trommlers der Altneihauser Feierwehrkapell’n.

 

Der Paukenschlag

„Eine Leberkassemmel bitte“, sagte ich zu der Metzgereiverkäuferin in Windischeschenbach, zögerte, „na, glei zwoa oder gib ma lieba drei.“

„Sempf, Ketschup?“

„Nix.“

„Glei essen oder eipacken?“

„Eipacken.“

„Dreisechzig.“

Ich legte einen Fünfeuroschein auf die Theke und nahm die drei Alupäckchen in Empfang. Das Wasser lief mir im Munde zusammen. Blöd, dass die in der Metzgerei keine Nussherndln hatten. Nussherndln mit Leberkassemmel, das mochte ich besonders gern. Und dazu einen Kaba oder eine Capri Sonne, stilecht mit Strohhalm.

Auf der Straße vor dem Laden packte ich die erste Semmel aus. Das warme, weiche, würzige Leberkasaroma stieg mir in die Nase. Ich biss tief hinein. Wunderbar! Gut, dass ich drei hatte. Eine ist ja nichts. Zumal ich kaum kaute. Drei Bissen und schon war die erste weg und als ich vor dem Auto stand die zweite und zwischen Tür und Angel die dritte. Ich wischte meine fettigen Hände an der mitgegebenen weißblauen Serviette ab und stieg ein, es war nicht so schwierig wie das Hinaufschwingen in meinen Lkw, brachte mich aber doch zum Schwitzen. Rechten Fuß in das Auto wuchten, mit der linken Hand am Dach festhalten, Schwung holen und den Körper hineinwuchten, linkes Bein dazuholen. Zum Bäcker war es nur ein kleiner Umweg. Dort nahm ich eine Caprisonne aus dem Regal und verlangte dazu „Zwoa Nussherndln bitte“.

„Zweivierzig.“

Ich legte das Wechselgeld vom Metzger in die Geldschale. Bis ich wieder bei meinem direkt vor dem Bäcker geparkten Auto anlangte, hatte ich die Nussherndln verdrückt. Ich war kein Genuss-, ich war ein Massenesser. Der Geschmack war mir meistens egal. Natürlich schmeckte es irgendwie. Aber die Hauptsache war, dass es viel war. Richtig satt war ich selten, eigentlich nie. Und drei Leberkassemmeln und zwei Nussherndln waren auch keine Mahlzeit für mich, sondern ein kleines Extra, das ich gleich vergessen hätte. Ich vergaß auch richtige Mahlzeiten, volle Teller mit Fleisch und Beilagen. Kaum drin im Bauch, schon getilgt im Kopf. So hätte es durchaus passieren können, dass ich bald die nächste Metzgerei ansteuerte, weil ich verdrängte, dass ich eben gegessen hatte. Ich hatte so was wie Ess-Alzheimer.

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