
Ich bin ja prinzipiell gegen die sprachliche Abwertung von Hunden und Tieren. Zweibeiner haben einen Mund, wir ein Maul, eine Schnauze und wenn Zweibeiner sich nicht gut gesinnt sind, knurren sie sich an: Halt die Schnauze.
Viele unserer Körperteile sind in Menschensprache Schimpfwörter. Das gefällt mir nicht. Aber in diesem Fall muss ich zugeben, dass ich noch immer zwischen Mund voll und Großmaul schwanke. Geschmeckt hat’s trotzdem


Irgendwann einmal werde ich alle meine Bücher lesen. Und ich fürchte mich davor. Ich sage: Wenn mir mal langweilig ist, tu ich es. Allein das ist ein Grund, nie an Langeweile zu leiden. Oder ich sage: Wenn ich mal im Gipsbett liege für sechs Wochen. Allein das ist ein Grund, fit zu bleiben. Denn wie wäre das … Es sind ja keine Manuskripte. Es sind erwachsene Bücher, die auf eigenen Beinen stehen, in fremden Wohnungen in Regalen liegen oder im Keller. Leben sie noch? Oder sind es Leichen? Wie würde ich heute empfinden, was ich vor zehn, zwanzig Jahren schrieb. Vor der Sprache fürchte ich mich nicht, eher vor dem Blick auf die Welt. Andererseits: Würde ich mich nicht fürchten, hätte ich womöglich tatsächlich Grund, mich zu fürchten.