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Das selbst erlegte Buch schmeckt besser?

Hauspost CoverbildDrei Tage Urlaub irgendwo, zwei Bücher im Gepäck, echte. Physische, wie man sagt. Also zwei Leiber dabei. Der eine ist mir zu jung, wie ich schnell merke.  Die Haut noch zu milchig, keine Tätowierungen des Lebens. Den anderen Leib verschlinge ich. Sehe zwischendurch nach, der Autor hat noch einige weitere Bücher geschrieben.

Fahre mit dem Rad in die Stadt. Frage in der ersten Buchhandlung. Natürlich führen sie Bücher des Autors, aber nicht dieses. Gehe in die nächste Buchhandlung und in eine dritte. Werde nervös. Ich will, will, will genau dieses Buch. Jetzt. Für den Nachmittag am See. Und wie ich so durch die Stadt radle an diesem Sommermorgen, denke ich, das ist das Schöne an den physischen Büchern du musst sie mit deinem eigenen Leib erjagen. Und als ich das Buch in der vierten Buchhandlung bekomme, strahle ich die Frau an der Kasse an. Es ist mein Hauptgewinn für heute, es wird den Tag noch schöner machen. Mit einem Klick auf dem Reader hätte ich so einen Kick nicht nicht erlebt.  Ich war auf der Pirsch, habe gelauert, angelegt, erlegt.  Jetzt kann ich ausweiden und einverleiben.

Leseschwäche

_MG_3900Natürlich lese ich viel zu wenig. Es fehlt die Zeit, weil ich dauernd am Schreiben bin. Eine Freundin, sie liest sehr langsam und nicht gern, hat mal gesagt, mein Output pro Jahr würde sie an ihre Grenzen bringen. Das war in dem Jahr, als ich sieben Bücher schrieb. Mir ist aufgefallen, dass ich mich oft an den Ort, wo ich ein Buch gelesen habe, erinnere. Manchmal habe ich den Inhalt des Buches vergessen, weiß aber noch, wo ich es las. Wo hast du welches Buch gelesen?

Reizwort Geschichte

_MG_3900Und, worum geht es in deinem neuen Roman, werde ich manchmal gefragt. Und dann passiert mir immer dasselbe. Ich weiß es nicht Ich konnte noch nie über das sprechen, was ich schreibe. Neulich habe ich geflunkert: Leiche, Promi, Hund, Sommer.

„Klingt spannend“, meinte mein Gegenüber.

„Das wird es auch“, behauptete ich, obwohl ich die Leiche noch nicht gefunden habe und vom Sommer weit und breit nichts zu sehen ist. Aber wir alle waren ja mal in der Schule. Reizwortgeschichte heißt der Auslöser. So mache ich jetzt weiter. Drei, vier Begriffe – und meine Leser machen ihre eigene Story draus. Anders ist es beim Lesen ja auch nicht. „Jeder Leser“, so Marcel Proust, „ist ein Leser seiner selbst“.