Schlagwort-Archive: Krimi

Trau keinem Schriftsteller!

_MG_3900

Dies ist der letzte Teil der Trilogie Schriftsteller sind Schweine. Schweine sind übrigens sehr nette und soziale Wesen, wen auch völlig verkannt, was daran liegt, dass sie sich gern im Matsch suhlen.

 

Wehe, du erzählst einem Schriftsteller was. Womöglich noch mit dem Hinweis der Vertraulichkeit, die er dir heimtückisch aus dem Herzen leiert, denn das können sie! Sich einschleichen, einen auf gut Freund machen und dann hinterrücks der Dolchstoß. Aber natürlich können sie nichts dafür. „Niemals hast du damit zu tun! Beim Schreiben habe ich doch nicht an dich gedacht!“

„So, und warum hast du dann fast wortgetreu wiederholt, was ich dir anvertraut habe? Und wieso hat deine Heldin eine Zahnlücke? So wie ich?“

„Nun, das muss mir passiert sein. Weißt du, nicht ich schreibe, sondern mein Unterbewusstsein.“

Haben Sie schon mal versucht es mit dem Unterbewusstsein aufzunehmen? Das klappt ja nicht mal mit dem eigenen, geschweige denn dem von anderen. Also vergessen Sie es.

Noch schlimmer ergeht es Partnern von Schriftstellerinnen, vor allem, wenn sie Krimis schreiben. Die werden schon mal mit einem Serienmörder verwechselt, nachts im Bad, und mit einem Schreikrampf begrüßt. Lieber Bad als Küche, wo die Messe liegen. Wird Zeit für eine Selbsthilfegruppe der Anonymen Angehörigen! Dort könnten sie Geschädigten sich wehren lernen: selber schreiben!

 

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Antiaging für Literatur

_MG_3900Vor rund zwanzig Jahren habe ich unter Pseudonym einen Krimi verfasst, in dem die Privatdetektivin mit Hilfe eines Freundes im Internet recherchierte. Die Privatdetektivin selbst besaß damals keinen Computer und ihr Freund erklärte ihr, wie eine Suchmaschine – Google oder Yahoo – funktioniert und was man im Internet so alles finden kann.

Diesen Krimi sollte ich nun für eine Neuausgabe bearbeiten, und das war dringend nötig, denn wer würde heute noch auf die Idee kommen, jemandem Google erklären zu wollen: Man tippt einen Begriff in das Kästchen oben und potzblitz tauchen eine Menge Informationen auf.

Kurz danach las ich ein Buch, in dem die Heldin telefonisch nicht erreichbar ist, was zu verhängnisvollen Missverständnissen – und somit auch zum Plot – führt. Die Autorin schrieb dieses Buch, als das Handy für jedermann und jedefrau noch nicht zum guten Klingelton gehörte. Mit der Option Handy würde ihre Geschichte gar nicht funktionieren; sie wäre haarsträubend unglaubwürdig.

Ich selbst wohne – nicht vorsätzlich, sondern bedauerlicherweise – in einem Funkloch, ja, so etwas gibt es noch. Funklöcher sind selten und es wäre unglaubwürdig, wenn Thriller plötzlich nur noch in Funklöchern spielen würden. Das tun ohnehin schon viel zu viele – oder, noch beliebter: Der Akku ist leer. Das bedeutet: Die technische Entwicklung fordert auch uns Autorinnen und Autoren heraus – nicht nur als Nutzer, sondern eben auch kreativ.

Manchmal ertappe ich mich manchmal dabei, dass ich an Büchern schnuppere, in denen nach Telefonzellen gesucht wird, oder in denen der Held oder die Heldin keine passenden Münzen zum Telefonieren bei der Hand hat – riechen diese Bücher nicht ein wenig abgestanden? Oder nach dem Paradies der Kindheit? Kein Duft der Welt schöner als der aus Omas feuchtem Keller.

Der garantiert schimmelfreie Ausweg heißt: einfach zum Klassiker werden! Bei Goethe und Rilke, Jane Austen oder den Bronte-Schwestern regt sich garantiert keiner über das fehlende Handy auf;  das Alte ist so alt, dass es schon wieder neu ist!

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Wie ich schreibe – Teil 3: Hoch und Tief in der Dramaturgie

_MG_3900

Was wäre ein schwedischer oder finnischer Krimi ohne Sauwetter und ein englischer ohne Nebel, was wäre eine Romanze ohne blühende Frühlingswiese und ein Gruselroman ohne Gewitter, potz Blitz!

Das Wetter ist nicht nur eine lästige Begleiterscheinung in der Literatur; viele Autoren und Autorinnen greifen immer dann in die Wetterkiste, wenn ihnen scheinbar nichts Besseres einfällt. Übergänge wie

Seit Stunden schneite es

Übernacht hatte es geregnet

Endlich hatte das Wetter umgeschlagen

Eisblumen wuchsen an den Fensterscheiben

Der Sommer ließ noch immer auf sich warten

Das Thermometer zeigte an diesem Morgen vier Grad …

sind beliebte Floskeln, um von einem Absatz zum nächsten überzuleiten. Raffiniert eingesetzt leisten diese Kurzwetterberichte noch viel mehr als das: Gekoppelt mit sinnlichen Beschreibungen ziehen sie die Leser in den Textsog.

Straßen dampfen nach dem Regen, der auf das Dachfenster trommelt, der Schnee knirscht und kleine Eisbröckchen kleben zwischen Hose und Stiefelschaft, die Haut fängt an zu kribbeln in der Märzensonne, der Duft aufgeplatzter Blüten kribbelt in der Nase der Heldin, die Füße des Helden sind kalt und klamm und der Regen rinnt in kleinen Bächen über seinen Hals den Rücken entlang.

Wer Unwetter und Schönwetter geschickt in seine Handlung einbaut und mit Metaphern schmückt, wird sicherlich nicht der Floskelei bezichtigt. Doch wie wichtig ist es, sich beim Konzipieren eines längeren Prosastückes oder Romans über das Wetter Gedanken zu machen? Spielt es überhaupt eine Rolle? Und wenn ja, muss dieses Wetter dem derzeitigen Wetter in der Wirklichkeit entsprechen und was passiert, wenn der Autor oder die Autorin eine Schreibblockade erleidet, kann er oder sie sein oder ihr im Frühling handelndes Werk dann lediglich im Frühling weiterschreiben???

Fortsetzung folgt am 15. Juni mit Wind und Bizeps, Sonne und Thriller!

 

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Das Alphabet im Bauch

_MG_3900Ich habe mal gelesen, dass es Aus-dem-Bauch-Schreiber und Aus-dem-Kopf-Schreiber gibt. Die einen fangen einfach an und lassen sich überraschen, im Krimi auch vom Mörder. Die anderen planen erst  und schreiben dann. Beide können beim Gärtner enden. Übrigens soll es wohl gleich viele Bauch- und Kopf-Autoren geben. Und ich?

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Freispruch!

_MG_3900

Als ich den ersten Kriminalroman aus meiner Serie mit Franza, Flipper und Felix schrieb, „Alle Vögel fliegen hoch“, hatte ich lang keine Ahnung, wer der Mörder sein sollte. Bei einem Gespräch mit dem Chef der Kripo in Fürstenfeldbruck, meiner ermittelnden Polizei, sagte der Erste Kriminalhauptkommissar, im Buch heißt er Chefbauer: „Da geht es Ihnen ja wie uns. Am Anfang eines Falles tappen wir auch im Dunkeln.“ Für mich war das ein Freispruch und ein Zeichen, dass ich auf der richtigen Fährte bin.

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