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Hunde treten

Hund mit Hochrad auf www.flipper-privat.de

Es bricht die Jahreszeit an, in der mein Frauchen nicht mehr laufen kann. Die Zweibeiner, Krone der Schöpfung, wie sie glauben, können wirklich viel. Sie kennen das Passwort für die kühle Box, auch das für Dosen, und aus ihren Händen wachsen Knochen. Doch das mit ihrer Beinlähmung sobald das Wetter besser wird, kriegen sie nicht in Griff, beziehungsweise in den Fuß, und dann wird wieder getreten und ich krieg Genickstarre, weil ich ständig aufpassen muss, dass sie nicht runterfällt. Harter Job und das vor allem sonntags, ohne Feiertagszutritt!

Warum Hunde nicht folgen

 

Miss Lomax streckt dem Betrachter die Zunge raus, das kann sie sich leisten als Autorin eines Hundeblogs, den sie unter www.flipper-privat.de in Zusammenarbeit mit ihrem Frauchen Shirley Michaela Seul verfasst

Herrchen und Frauchen stehen am Wiesenrand und rufen. Keine Sau kommt. Und der Hund kommt auch nicht. Warum wohl? Darüber wurden sehr viele Bücher geschrieben. Ich kann das nicht mehr mitansehen, wie viel Gassizeit durch Lesen verschwendet wird, deshalb hier die Wahrheit: Manche von uns mögen ihre Namen nicht. Ein Hund, der gern anders heißen würde, kommt doch nicht, wenn er mit einem Namen gerufen wird, den er nicht akzeptiert. Stell dir mal vor, du Zweibein, du würdest Neidhard heißen oder Schrottpresse. Würdest du da noch dazu in der Öffentlichkeit zu erkennen geben, dass du gemeint bist, wenn jemand ruft?

Hinter jeder bedeutenden Persönlichkeit steht ein noch bedeutenderer Hund

Draußen wird es hell und die, die glaubt, sie sei meine Chefin, rührt sich noch immer nicht. Chefin behauptet sie, sei sie. Nicht Frauchen oder Frauli. Darauf legt sie Wert. Ich lasse ihr die Illusion. Wie man nur so lange schlafen kann! Und das als Chefin! Chefinnen sollten doch wohl die Ersten sein. Ich belle nicht, dann kann sie wieder mit mir angeben. Wie toll das ist, dass ich sie schlafen lasse. Dass ich über zwölf Stunden dicht halte. Dass ich sie überhaupt nie störe, sondern mich ganz ihrem Rhythmus anpasse.

Hund Luna im Liegestuhl, Labrador am See, flipper-privat.de

Ich fiepe ein wenig. Sehr leise und gerade so dosiert, dass sie aufwachen wird. Das ist ein Erfahrungswert. Sie weiß nicht, dass ich sie wecke. Sie glaubt, sie wache von selbst auf. Und – oh Wunder – kaum wach, meldet sich ihr Hund. Das bin ich. Ich würde es nicht riskieren, sie wissen zu lassen, dass ich sie geweckt habe. Chefinnen brauchen Illusionen. Sonst sind sie schlecht gelaunt. Dann dauert es noch länger, ehe sie sich bequemt, meine Nudeln in heißem Wasser einzuweichen, eine Dose herauszusuchen, den Dosenöffner zu nehmen, den sie zwar stets an dieselbe Stelle legt, aber dennoch nie findet, und endlich mein Frühstück zuzubereiten. Obwohl sie davon überzeugt ist, ich könne nicht kausal denken, maßregelt sich mich gerne für kausale Fehler. Also: Ich war ungeduldig, das Essen verzögert sich. Solche Fehler habe ich nur in meiner Welpenzeit begangen. Und auch nur wenige Male. Ich bin schließlich ein Hund. Im Übrigen bin ich sehr froh, dass sie denkt, ich könne nicht denken. Oder nur ansatzweise. Das eröffnet mir unendliche Räume der Freiheit.