Die kann die Tinte nicht halten

AutorInnen, die viel schreiben, werden in Verlagen schon mal verunglimpft als solche, die die Tinte nicht halten können. Vielleicht aber können sie keinen Ehemann halten oder konnten ihr Erbe nicht be-halten, womöglich gab es gar keins, und deshalb müssen sie Geld verdienen. Und weil man mit einem Buch pro Jahr nur in sehr, sehr, sehr seltenen Fällen genug Geld für ein Jahr in Deutschland verdient, schreiben manche zwei oder drei oder mehr. Sie gelten deshalb aber nicht als fleißig und zielstrebig. Denn das kann ja nicht gut sein, was sie da produzieren. Massenware. Ist es so?

In meinem produktivsten Jahr habe ich sieben Bücher geschrieben und einige davon standen auf der Bestsellerliste. Aha, da haben wir es schon. Dort rankt sich sowieso bloß Schrott, der breite Geschmack ist banal.

Tatsächlich?

Ja, ich glaube auch, dass die Bestsellerliste kein Kriterium für Qualität ist. Aber wer es dauerhaft unter die ersten Zehn schafft, trainiert damit einen Muskel, mit dem sich die Tinte besser halten lässt.

Woran liegt dieses Vorurteil gegen Vielschreiber? Eine Freundin von mir, servus Sarah, sagt:  „Die glauben wohl, dass das Geld aus der Wand kommt.“  Ja, wenn das Geld aus der Wand kommt, dann macht man sich keine Gedanken darüber, wie das Wasser fließt, womit sich die Autorinnen reinigen, weil sie die Tinte mal wieder nicht halten konnten. Wobei das ja nicht freiwillig ist. Das ist eine Erkrankung. Sie müssen die Tinte nicht halten können, sonst verhungern sie. Okay, sie können einen ungeliebten Ehemann halten, aber dann verhungern sie seelisch und schreiben können sie dann sowieso nichts mehr. Oder sie suchen sich endlich eine anständige Arbeit; idealerweise eine, bei der das Geld aus der Wand kommt.

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