Faszinierende Faszien

Manchmal, wenn ich mit jeder Faser meines Körpers, meines Geistes, meiner Seele weiß: Das ist ein gutes Buch. Und mich jemand fragt und ich nachdenken muss, warum ich es dafür halte. Und zuweilen zuerst gar nichts sagen kann, weil es als ganzes Gebilde erscheint und ich es nicht in Einzelteile zerlegen möchte. Da rutscht mir dann schon mal etwas heraus wie: Es schwingt zwischen den Zeilen. Danach finde ich natürlich sachliche Gründe. In einem guten Buch herrscht daran kein Mangel. Doch was ist es, was da schwingt zwischen den Zeilen? Seit Gestern weiß ich es:

Die Osteopathin erklärte mir, was ich schon mal gemacht hatte, ohne es zu wissen: Faszien Yoga. Faszien sind Bindegewebsstrukturen. Sie bilden ein Netz, das sich durch den gesamten Körper zieht. Wir sehen sie nicht. Doch sie sind da und entscheiden mit darüber, wie wir uns fühlen. Auch einen Textkörper durchziehen sie, schlängeln sich durch jede Zeile und jede Lücke der Buchstaben, auch zwischen die Punkte im Ü und Ä. Alles voller Faszien – und sie bestimmen, ob ein Text fasziniert. Je geschmeidiger, desto besser. Wenn die Konsonanten schwingen wie Bambus im Wind, wenn die Vokale sich strecken bis zum Himmel. Dann, ja dann pulsiert der ganze Textkörper im Rhythmus des Lebens.

 

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