Putzen als kreativer Akt

Hauspost CoverbildIch bin Schriftstellerin und ich putze gern. Putzen ist Inspiration. Beim Putzen erfinde ich Geschichten und begegne neuen Figuren. Ich bücke mich tief in die Badewanne und schaue in die Abgründe der Menschheit, ich kniee auf dem Küchenboden und beschäftigte mich mit den existenziellen Fragen: Woher kommen wir, wohin gehen wir, was bleibt – bei mir jedenfalls bleiben keine Putzstreifen. Spiegel liebe ich geradezu, es gibt viele in meinem Haushalt, Spiegel sind eine Herausforderung. Sie schenken mir Klarheit und Durchblick und den Rest besorgt der Staubsauger.

In unordentlichen Räumen könnte ich nicht schreiben. Selbst wenn mein Arbeitszimmer ordentlich, das Wohnzimmer hingegen unordentlich wäre würde mich das aus der Balance bringen. In einer klaren Umgebung entstehen klare Gedanken. Alles ist übersichtlich, und ich bekomme viel Besuch von Figuren, die sich gerne bei mir niederlassen. Da muss nichts weggeräumt werden, um sich zu setzen. Sie können sich sogar ausbreiten. Bei mir gibt es keine Altlasten oder Geschichten, die sich wiederholen. Der klare Raum ist offen für Neues. Und wenn meine Hände mit dem Lappen über die Fliesen schrubben oder streichen – je nachdem, ob Krimi oder Lovestory – beruhigt sich mein Geist, wird weit und leer, und wenn ich den Lappen auswringe und die letzten Schmutzperlen ins Wasser gleiten, ist dies der Beginn eines nächsten Kapitels.

 

Putzen inspiriert!

Wir räumen Altes weg und schaffen Platz für Neues. Ohne es zu merken, bereiten wir uns so vor für neue Ideen und Geschichten. Der äußere Raum entspricht dem Inneren.

Putzen erdet!

Wir verbinden uns mit den elementaren Wahrheiten und kommen in Kontakt mit der Basis.

Putzen entspannt!

Wir denken scheinbar nichts, sondern vollführen eine monotone Tätigkeit. So entspannen wir uns – und laden damit in der Folge neue Ideen ein.

Putzen verbindet!

Feudelnd rücke ich meinen Figuren näher, wisch für wisch.

Und weg.

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2 Gedanken zu „Putzen als kreativer Akt

  1. Sofia

    Da muss ich mich ja nicht mehr schämen, wenn ich auch gern putze. Ich hab immer gedacht, das sich das null verträgt mit meiner Schreiberei, weil die meisten Künstler doch angeblich Chaoten sind. Vielen Dank für diesen Artikel, der mir sehr gut gefallen hat wie alles, was Sie schreiben liebe Frau Seul. Alles Gute für Sie und Ihre Haustiere und Ihre zukünftigen Bücher. Mit freundlichen Grüßen Sofia

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