Wie ich schreibe – Teil 3: Hoch und Tief in der Dramaturgie

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Was wäre ein schwedischer oder finnischer Krimi ohne Sauwetter und ein englischer ohne Nebel, was wäre eine Romanze ohne blühende Frühlingswiese und ein Gruselroman ohne Gewitter, potz Blitz!

Das Wetter ist nicht nur eine lästige Begleiterscheinung in der Literatur; viele Autoren und Autorinnen greifen immer dann in die Wetterkiste, wenn ihnen scheinbar nichts Besseres einfällt. Übergänge wie

Seit Stunden schneite es

Übernacht hatte es geregnet

Endlich hatte das Wetter umgeschlagen

Eisblumen wuchsen an den Fensterscheiben

Der Sommer ließ noch immer auf sich warten

Das Thermometer zeigte an diesem Morgen vier Grad …

sind beliebte Floskeln, um von einem Absatz zum nächsten überzuleiten. Raffiniert eingesetzt leisten diese Kurzwetterberichte noch viel mehr als das: Gekoppelt mit sinnlichen Beschreibungen ziehen sie die Leser in den Textsog.

Straßen dampfen nach dem Regen, der auf das Dachfenster trommelt, der Schnee knirscht und kleine Eisbröckchen kleben zwischen Hose und Stiefelschaft, die Haut fängt an zu kribbeln in der Märzensonne, der Duft aufgeplatzter Blüten kribbelt in der Nase der Heldin, die Füße des Helden sind kalt und klamm und der Regen rinnt in kleinen Bächen über seinen Hals den Rücken entlang.

Wer Unwetter und Schönwetter geschickt in seine Handlung einbaut und mit Metaphern schmückt, wird sicherlich nicht der Floskelei bezichtigt. Doch wie wichtig ist es, sich beim Konzipieren eines längeren Prosastückes oder Romans über das Wetter Gedanken zu machen? Spielt es überhaupt eine Rolle? Und wenn ja, muss dieses Wetter dem derzeitigen Wetter in der Wirklichkeit entsprechen und was passiert, wenn der Autor oder die Autorin eine Schreibblockade erleidet, kann er oder sie sein oder ihr im Frühling handelndes Werk dann lediglich im Frühling weiterschreiben???

Fortsetzung folgt am 15. Juni mit Wind und Bizeps, Sonne und Thriller!

 

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